Monatsvorschau

Info zur Vorschau Seite

Auf dieser Seite werden die Monatsvorschauen so vorgestellt, wie sie im UENA-Tip erscheinen. Ältere Vorschauen findet man weiter unten auf dieser Seite. Bei den Vorschauen findet man auch jeden Monat ein Sachthema über astronomisches Grundwissen; diese Sachthemen werden pro Kalenderjahr zusammengefasst. Dazu gibt es eine Übersicht aller bisher veröffentlichten Sachthemen, abzurufen rechts im Menü. Zur Bild Vergrößerung bitte auf das Bild klicken.

Der Sternenhimmel im Oktober 2022

Eine astronomische Forschergruppe der kalifornischen Stanford University entdeckte im Jahre 2017 im Sternbild Sextant einen Neutronenstern mit der 2,35fachen Sonnenmasse. Neutronensterne sind das Endergebnis eines explodierten Sternes, einer Supernova. Weil das Gleichgewicht von Strahlung und Gravitation durch die Explosion nicht mehr existiert, stürzt der sterbende Stern in sich zusammen, und er wird zum Neutronenstern, dessen gesamte ursprüngliche Masse nun zu einer Kugel von nur 10 bis 12 km Durchmesser komprimiert wird. Der entdeckte Neutronenstern hat einen sonnenähnlichen sehr nahestehenden Begleitstern mit etwa der 20fachen Jupitermasse. Beide Objekte umkreisen ihren gemeinsamen Schwerpunkt in nur 6,4 Stunden. Die enorme Gravitation des Neutronensterns zieht wegen des geringen Abstandes Gas- und Masseteilchen von dem Begleitstern an, der dadurch im Laufe der Zeit immer kleiner wird. Er wird gewissermaßen von seinem hungrigen Begleiter aufgefressen.

Herausragendes Ereignis in diesem Monat ist eine partielle Sonnenfinsternis. Am Dienstag, dem 25. Oktober wandert die dunkle Neumondscheibe ab 11:10 Uhr vom oberen Rand der Sonne bis 13:10 Uhr zu ihrem Ostrand. Im Maximum gegen 12:10 Uhr werden etwa 30% der Sonnenscheibe von dem schwarzen Neumond bedeckt.

Am 23. Oktober tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen Skorpion, und am 31. Oktober wechselt sie vom Sternbild Jungfrau in das Sternbild Waage. Der Mond zeigt folgende Phasen: am 3. Oktober zunehmender Halbmond, am 9. Oktober Vollmond, am 17. Oktober abnehmender Halbmond und am 25. Oktober Neumond. Der flinke Merkur ist nach langer Pause wieder vom 10. bis zum 15. Oktober ab 6:45 Uhr für etwa 15 Minuten knapp über dem Ostpunkt zu sehen. Die Venus wandert von der Erde aus gesehen hinter die Sonne in die sog. obere Konjunktion und ist daher nicht sichtbar. Der rote Mars geht gegen 22:00 Uhr am tiefen Nordosthimmel auf und ist bis Monatsende als helles Objekt wahrzunehmen. Am 14. Oktober trifft er auf den abnehmenden Mond. Der Gasriese Jupiter ist am östlichen Himmel das hellste Objekt; am 8. Oktober zieht der Vollmond in drei Grad Abstand südlich an ihm vorbei. Der Ringplanet Saturn ist bis zum 20. Oktober bis kurz nach Mitternacht am tiefen Südwesthimmel auszumachen.

Hoch am Südhimmel bilden die vier hellen Sterne des Sternbildes Pegasus das Herbstviereck. Zieht man eine Linie vom unteren rechten Stern zum oberen linken Stern und verdoppelt diese Linie, trifft man auf unsere Nachbargalaxie, den Andromedanebel. Er müsste um den 25. Oktober am mondlosen hohen Südhimmel als diffuses Nebelfleckchen auszumachen sein. Am tiefen Nordhimmel steht der Große Wagen; ihm gegenüber im Zenit über den Polarstern hinweg findet man das Himmels-W, die Kassiopeia.

Der Sternenhimmel im September 2022

Bis vor Kurzem ging man davon aus, dass es Flüsse auf Himmelskörpern unseres Sonnensystems nur auf der Erde gibt. Sie umrundet die Sonne in der sog. habitablen Zone, das heißt in einer Entfernung, in der Wasser weder verdampft noch zu ewigem Eis gefriert, sondern dauerhaft flüssig ist. Eine Forschungsgruppe hat nun mithilfe von Radardaten der Raumsonde Cassini herausgefunden, dass es Flusstäler und Seen auch auf dem Saturnmond Titan gibt. Er ist der zweitgrößte Mond im Sonnensystem und gleichzeitig der einzige mit einer Atmosphäre. Die entdeckten Flusstäler und Seen enthalten aber kein Wasser, sondern die Kohlenwasserstoffe Methan und Ethan. Auf der Erde sind diese Stoffe gasförmig, doch aufgrund der Oberflächentemperatur des Titans von minus 180 Grad Celsius sind sie dort flüssig. Um aus den grob aufgelösten Titan-Radardaten Erkenntnisse zu erhalten, haben die Wissenschaftler ähnliche, aber hochaufgelöste Radarbilder von irdischen Flusssystemen künstlich verschlechtert, so dass sie einander ähnelten. Dieser Vergleich ergab ein ziemlich realistisches Oberflächenbild und dient damit dem Gewinn von Informationen über Klima und Untergrund des Titans.

Am 17. September wechselt die Sonne vom Sternbild Löwe in das Sternbild Jungfrau. Für die Horoskopgläubigen tritt sie am 23. September in das Tierkreiszeichen Waage. An diesem Tag beginnt um 2:04 Uhr der astronomische Herbst. Die Nächte werden von nun an allmählich wieder länger und die Tage entsprechend kürzer. Am 3. September haben wir zunehmenden Halbmond, am 10. September Vollmond, am 17. September abnehmenden Halbmond und am 25. September Neumond. Merkur steht knapp unter dem Osthorizont und ist daher den ganzen Monat nicht zu sehen. Die Venus ist Morgenstern, und man kann sie während der ersten zehn Tage am tiefen Osthimmel erspähen. Mars ist ein gut sichtbares Objekt für die zweite Nachthälfte. Am 9. September steht er nahe Aldebaran, dem rötlichen Hauptstern des Sternbildes Stier und kann leicht mit ihm verwechselt werden. Am 17. September hat Mars eine enge Begegnung mit dem abnehmenden Halbmond. Der Gasriese Jupiter steht der Sonne am Himmel gegenüber und ist daher die ganze Nacht über sichtbar. Der Ringplanet Saturn kann im Südosten beobachtet werden, er geht am Monatsanfang gegen 5:00 Uhr und am Monatsende gegen 2:00 Uhr im Südwesten unter.

Befindet man sich an einem dunklen Ort weitab von städtischer Himmelshelligkeit, kann unsere 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Nachbargalaxie Andromeda während der Neumondphase am Monatsende als diffuses Nebelfleckchen im Zenit erspäht werden. Sie ist das entfernteste Objekt, welches mit bloßem Auge am Himmel zu sehen ist.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
Dazu die Vorschau veröffentlicht im TIP am Sonntag,  im Beig Verlag:

Der Sternenhimmel im August 2022

Staub ist nicht nur ein ärgerliches Phänomen in irdischen Haushalten, auch auf dem roten Planeten Mars gibt es damit Probleme. Wegen des Staubes droht der Ende November 2018 gelandeten amerikanischen NASA-Marssonde InSight das Ende ihrer Mission. Der Mars hat eine, wenn auch dünne, Atmosphäre. Es gibt ab und an Stürme, die loses Oberflächenmaterial von der trockenen Oberfläche hochwirbeln. Solche Stürme erreichen mitunter globale Dimensionen, die den rostroten Staub über den ganzen Planeten verteilen. So auch auf den Solarzellen der Marssonde InSight. Die Solarzellen sind für eine Produktion von 5000 Wattstunden pro Marstag konzipiert worden, um alle Instrumente an Bord der Sonde in Betrieb zu halten. Die Staubschicht auf den Solarpaneelen hat zur Folge, dass nur noch etwa 500 Wattstunden pro Marstag erzeugt werden. Das ist aber viel zu wenig, um den Betrieb der Sonde zu gewährleisten. Hoffnung gibt es, dass einer der zahlreichen kleinen Luftwirbel, sog. Staubteufel, über die Sonde hinwegfegt und die Solarpaneele wenigstens teilweise wieder freipustet.

Am 11. August geht die Sonne in das Sternbild Löwe, und für die Horoskopleser tritt sie am 23. August in das Tierkreiszeichen Jungfrau. Zunehmenden Halbmond sieht man am 5. August, Vollmond am 12. August, abnehmenden Halbmond am 19. August; und am 27. August haben wir Neumond. Der flinke Merkur ist trotz seines großen östlichen Winkelabstandes von der Sonne nicht zu sehen, er steht zu tief am abendlichen Westhorizont. Die morgendlichen Aufgänge der Venus treten im Laufe des Monats immer später ein, gegen Ende des Monats verblasst sie in der Morgenhelle des Osthimmels. Der rote Mars geht gegen Mitternacht im Nordosten auf und ist bis zur Morgendämmerung am hohen Südosthimmel gut zu sehen. Der Gasriese Jupiter ist im Laufe des Monats die ganze Nacht vom Südost- bis zum Südwesthimmel präsent. Am 15. August hat er eine Begegnung mit dem Mond. Der Ringplanet Saturn ist ebenfalls ein Objekt für die ganze Nacht, um die Monatsmitte kann man ihn 20 Grad über dem Südhorizont gut beobachten.

Das Sommerdreieck, gebildet von Deneb, Hauptstern im Schwan, Wega, Hauptstern in der Leier und Atair, Hauptstern im Adler, steht nun am hohen Südhimmel und reicht fast bis zum Zenit. Den Großen Wagen findet man am tiefen Nordwesthimmel, und ihm gegenüber über den Polarstern hinweg das Himmels-W, die Kassiopeia. Mitte August ist Perseiden-Zeit, aber wegen des Vollmondes kann man in diesen Nächten in diesem Jahr nicht viel an Sternschnuppen sehen. Aber vielleicht erfüllt eine Sternschnuppe doch hie und da einen Wunsch.

Lutz Zimmermann, RVST e.V.; sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im Juli 2022

Schaut man in einer klaren dunklen Nacht zum Sternenhimmel, so wird einem nicht sofort bewusst, dass dies ein Blick in die Vergangenheit ist. Man sieht nämlich die Sterne nicht so, wie sie im Augenblick des Hinschauens zu sehen sind, sondern wie sie in unterschiedlich langen Zeiträumen der Vergangenheit leuchteten. Dies trifft auch für den Tageshimmel zu. Man sieht das Licht eines 150 Millionen km entfernten Sterns, den wir Sonne nennen, wie es vor etwas mehr als acht Minuten die 5600 Grad Celsius glühende Oberfläche der Sonne verlassen hat. Das Licht des nächsten Sterns zum Sonnensystem, Proxima Centauri im Sternbild Zentaur, erreicht uns erst nach 4,2 Jahren. Auf einer Himmelsaufnahme des Hubble-Teleskopes wurde ein leuchtendes Objekt entdeckt, dessen Licht mehr als 12 Milliarden Jahre unterwegs war. Der Grund ist offensichtlich: Licht breitet sich nicht ohne Zeitverzögerung aus, sondern hat eine endliche Geschwindigkeit, nämlich 300.000 km pro Sekunde. Man spricht daher auch bei astronomischen Entfernungsangaben von Lichtjahren. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, das sind etwa 9,5 Billionen km, eine Zahl, die unser Vorstellungsvermögen sprengt.

Am 21. Juli wechselt die Sonne vom Sternbild Zwillinge in das Sternbild Krebs, und für die Horoskopleser tritt sie am 22. Juli in das Tierkreiszeichen Löwe. Der Mond zeigt im Juli folgende Phasen: am 7. zunehmenden Halbmond, am 13. Vollmond, am 20. abnehmenden Halbmond und am 28. Neumond. Der flinke Merkur steht unterhalb des Horizontes und ist im Juli nicht zu sehen. Die vier mit dem bloßen Auge erkennbaren Planeten sind etwas für Frühaufsteher. Man findet sie alle in den frühen Morgenstunden ab etwa 4:00 Uhr zwischen dem tiefen Nordostpunkt (Venus), dem Südostpunkt (Mars und Jupiter) und dem Südpunkt (Saturn). Gegen 4:45 Uhr verblassen sie in der Helligkeit der aufgehenden Sonne. Der Mond hat Begegnungen mit allen vier Planeten: am 16. mit dem Ringplaneten Saturn, am 19. mit dem Gasriesen Jupiter, am 21./22. mit dem roten Mars und am 26. mit der hellen Venus.

Ein Blick zum Fixsternhimmel lohnt wegen der sommerlichen Himmelshelligkeit erst gegen 23:00 Uhr. Um den 10. bis 15. Juli herum findet man einen sehr hellen Stern genau senkrecht über dem Betrachter im Zenit. Es ist die Wega, Hauptstern des Sternbildes Leier. Zusammen mit Deneb, Hauptstern im Schwan, und Atair, Hauptstern im Adler ist sie die südliche Ecke des Sommerdreiecks. Bei dunklem mondlosen Himmel kann man über eine Verbindungslinie Deneb-Atair das silbrige Band der Milchstraße ausmachen.

Lutz Zimmermann, RVST e.V, sternwarte-tornesch.de

                                    Der Sternenhimmel im Juni 2022

Seit alters her galt die Meinung, dass Kometen Erscheinungen der irdischen Lufthülle seien. Dies änderte sich mit dem Kometen von 1577, an dem der dänische Astronom Tycho Brahe (1546-1601) nachweisen konnte, dass dieser Komet aus einem Bereich außerhalb der Mondbahn stammen musste. Damit war auch die 1500 Jahre alte Theorie, dass die Planeten auf kristallenen Sphären die Erde umkreisten, hinfällig, denn dann hätte der Komet auf seiner Reise durch das Sonnensystem diese Sphären durchstoßen müssen. Die Fixsternsphäre als äußerste Grenze der beobachtbaren Welt verlor ebenso ihre Gültigkeit, der Weltraum galt von nun an als unendlich. Der italienische Philosoph und Astronom Giordano Bruno (1548-1600) leitete daraus ab, dass alle sichtbaren Sterne ferne Sonnen seien, die von Planeten umgeben seien und Leben enthalten könnten. Auch postulierte er die ewige Dauer und die Unendlichkeit des Universums. Nach dieser Auffassung konnte es aber keine Schöpfung Gottes geben und somit auch kein jüngstes Gericht. Giordano Bruno wurde für diese der kirchlichen Lehrmeinung widersprechenden Ansicht der Ketzerei angeklagt und am 16. Februar 1600 in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Am 21. Juni tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs, und am selben Datum wechselt sie in das Sternbild Zwillinge. Gleichzeitig beginnt an diesem Tag um 10:14 Uhr auf der Nordhalbkugel der Erde der astronomische Sommer. Der Mond zeigt folgende Phasen: am 7. Juni zunehmender Halbmond, am 14. Juni Vollmond, am 21. Juni abnehmender Halbmond und am 29. Juni Neumond. Merkur hat zwar einen großen Sonnenabstand, er ist aber in der Morgendämmerung mit bloßem Auge nicht auszumachen. Die vier Planeten Venus, Mars, Jupiter und Saturn sind alle am Morgenhimmel sichtbar. Zur ihrer Beobachtung muss man aber früh aufstehen, um sie am tiefen Osthorizont sehen zu können. Mars und Jupiter sind gegen 4:00 Uhr auszumachen, wobei der helle Jupiter in der aufkommenden Morgendämmerung als Suchhilfe dienen kann. Am 22. Juni gegen 4:00 Uhr gesellt sich der abnehmende Halbmond dazu. 45 Grad weiter Richtung Süden kann man in 15 Grad Höhe den Ringplaneten Saturn sehen.

Wegen der hellen Juninächte sind nur wenige Sternbilder zu sehen. Am Osthimmel bilden die Sommersternbilder Schwan mit dem Hauptstern Deneb, Leier mit dem Hauptstern Wega und Adler mit dem Hauptstern Atair das sog. Sommerdreieck. Das Frühlingssternbild Löwe wandert zum Westhimmel, während am hohen Nordosthimmel der Große Wagen in seiner typischen Konfiguration zu sehen ist. Ihm gegenüber über den Himmelsnordpol hinweg steht das Himmels-W, das Sternbild Kassiopeia.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
Dazu die Vorschau veröffentlicht im TIP am Sonntag,  im Beig Verlag:

Der Sternenhimmel im Mai 

Bis auf die mondlosen Planeten Merkur und Venus hat jeder Planet einen (Erde) bzw. mehrere Trabanten. Unser Mond ist ungefähr so alt wie die Erde, nämlich 4,5 Mrd. Jahre. Er war als Begleiter der Erde schon immer da. Diese Einmaligkeit änderte sich im Jahre 1610, als der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei (1564-1642) mit dem gerade erfundenen Teleskop den Planeten Jupiter beobachtete und dabei vier Monde entdeckte, die den Planeten umkreisten. Mit Hilfe dieses neuen Beobachtungsinstrumentes ging es dann gewissermaßen Schlag auf Schlag. Von 1655 bis 1684 kamen fünf Saturnmonde hinzu, zwischen 1781 und 1789 erweiterte sich die Liste auf 14 Monde. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen weitere acht Monde hinzu. Im 20. Jahrhundert steigerte sich die Anzahl der natürlichen Trabanten im Sonnensystem durch Fotografie und Planetensonden auf die zurzeit recht erkleckliche Anzahl von 207 Monde. Davon entfallen allein auf den Gasriesen Jupiter 80, während der Ringplanet Saturn gar 83 Monde beisteuert. Außerdem sind 457 Asteroiden mit insgesamt 477 Monde bekannt. Monde sind also keine Besonderheiten.

Am 14. Mai tritt die Sonne in das Sternbild Stier, und für die Horoskopleser tritt sie am 21. Mai in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Am 9. Mai haben wir zunehmenden Halbmond, am 16. Mai Vollmond, am 22. Mai abnehmenden Halbmond und am 30. Mai Neumond. Am 16. Mai ereignet sich eine Mondfinsternis; sie beginnt morgens um 3:31 Uhr und endet um 8:52 Uhr. Zu sehen ist die Finsternis allerdings nur von 5:29 Uhr bis 6:54 Uhr, dann befindet sich der Mond

vollständig im Kernschattenbereich der Erde. Der flinke Planet Merkur ist nur bei guter Sicht mit dem Fernglas in der ersten Maiwoche am tiefen Nordwesthorizont in der Abenddämmerung zu sehen. Unser Nachbarplanet Venus ist im Mai Morgenstern. Am 1. Mai geht er gegen 4:45 Uhr am tiefen Osthimmel auf, am 31. Mai kommt er bereits gegen 3:50 Uhr über die Horizontlinie. Gegen 4:30 Uhr erscheinen ein Stück weiter südwärts Jupiter und Mars am tiefen Himmel, wobei Mars nur mit dem Fernglas auszumachen ist. Alle drei Planeten verblassen in der heller werdenden Morgendämmerung. Schaut man bereits am Monatsanfang gegen 5:00 Uhr an den tiefen Osthimmel, kann man als vierten Planeten auch den Ringplaneten Saturn ausmachen.

Das Frühlingssternbild Löwe mit seiner markanten Konfiguration findet man am hohen Südwesthimmel. Am Nordosthimmel kommen die Sommersternbilder Schwan und Leier über den Horizont. Im Norden sieht man das Himmels-W, die Kassiopeia, während sich am tiefen Westhimmel die Zwillinge von der Himmelsbühne verabschieden. Senkrecht über dem Beobachter, im Zenit, sind die sieben Sterne des Großen Wagens nicht zu übersehen.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
Dazu die Vorschau veröffentlicht im TIP am Sonntag,  im Beig Verlag:

 

 

Der Sternenhimmel im April

Unser Nachbarplanet Venus ist während seiner hellsten Phasen nach Sonne und Mond das dritthellste Objekt an unserem Himmel. Dass die Venus als Morgen- und Abendstern dasselbe Objekt ist, war schon unseren Altvorderen bekannt. Weil sich Planeten als einzige Objekte unter den Fixsternen bewegen, wurden sie in fast allen Kulturen mit Gottheiten assoziiert. Wegen ihres strahlend hellen Glanzes wurde die Venus in der griechischen und römischen Mythologie als Liebesgöttin verehrt. Aufgrund ihrer größeren Sonnennähe stellte man sich ihre Oberfläche noch bis Ende der 1960er Jahre als warme Dschungelwelt vor, die von Sauriern und Riesenechsen bewohnt sei. Seine permanent undurchdringliche Wolkendecke, die den Planeten vollständig umhüllt, läßt keinen Blick auf seine Oberfläche zu. Als die sowjetischen Venera-Sonden ihre Messdaten zur Erde funkten, wurden die Astronomen doch sehr ernüchtert: die Venus ist gänzlich ungeeignet für Lebensarten, wie wir sie kennen. Ihre Oberflächentemperatur liegt bei 460 Grad Celsius, eine Temperatur, bei der Blei flüssig ist, und der Luftdruck beträgt am Boden etwa 90 bar. Die dichte Wolkendecke besteht größtenteils aus Schwefel- und Phosphorsäure, und ihre Atmosphäre zu 95 Prozent aus Kohlendioxid. Die lieblicheVenus ist in Wahrheit ein Höllenplanet.

Am 19. April tritt die Sonne in das Sternbild Widder und am 20. April in das Tierkreiszeichen Stier. Am 1. April haben wir Neumond, am 9. April zunehmenden Halbmond, am 16. April Vollmond, am 23. April abnehmenden Halbmond und am 30. April wieder Neumond. Zwischen dem 18. und 23. April kann man gegen 21:00 Uhr am tiefen Westhorizont mit einem Fernglas den flinken Merkur erspähen. Wer sich nicht scheut, am 24. April frühmorgens um etwa 5:15 Uhr mit dem Fernglas den dämmrigen horizontnahen Südosthimmel zu beobachten, kann vom Ostpunkt aus gleich fünf Objekte aufstöbern: den Gasriesen Jupiter, die helle Venus, den roten Mars, die abnehmende Mondsichel und den Ringplaneten Saturn. Diese Planetenkette reicht bis zum Südostpunkt. Am 30. April begegnen sich Venus und Jupiter mit nur 15 Bogenminuten Abstand, das entspricht einem halben Vollmonddurchmesser.

Das Frühlingssternbild Löwe steht nun hoch am Südhimmel, am Südwesthimmel sieht man die Zwillinge und am tiefen Westhimmel verläßt der Himmelsjäger Orion das Firmament. Der Große Wagen steht senkrecht über dem Beobachter im Zenit. Verlängert man den Abstand seiner hinteren Kastensterne fünfmal, trifft man auf den Polarstern. Zieht man diese Linie weiter Richtung Norden, stößt man auf das Himmels-W, die Kassiopeia. Am tiefen Nordosthimmel kündigen die Sternbilder Leier und Schwan schon den Sommer an.

Lutz Zimmermann, RVSTe.V., sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im März 2022

Die Bezeichnung HR 6819 dürfte nicht vielen Leuten geläufig sein. Es handelt sich um die Katalogbezeichnung eines Doppelsternsystems an der südlichen Himmelssphäre im Sternbild Telescopium. Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) haben im Zuge einer Studie über Doppelsternsysteme im Mai 2020 mit dem 2,2-Meter-Teleskop am La-Silla-Observatorium in Chile herausgefunden, dass eine der beiden Komponenten innerhalb von 40 Tagen einen dritten bisher unentdeckten Körper umkreist. Das wäre an sich nichts besonderes, denn solche Objekte werden öfter entdeckt. Dieses dritte Objekt ist aber völlig unsichtbar und gibt keinerlei Strahlung ab, es verrät sich nur durch seine gravitative Wirkung. Die Astronomen konnten es als ein stellares Schwarzes Loch identifizieren. Man hat bisher nur ein paar Dutzend dieser Sternleichen in der Milchstrasse entdeckt. Das Besondere an diesem Objekt ist seine Nähe zu unserem Sonnensystem: es ist nur etwa 1100 Lichtjahre entfernt, nach kosmischen Maßstäben befindet es sich direkt vor unserer Haustür.

Am 12. März tritt die Sonne in das Sternbild Fische, und für die Horoskopleser wechselt sie am 20. März in das Tierkreiszeichen Widder. Dies ist auch gleichzeitig der Beginn des astronomischen Frühlings. Die Tage werden von nun an wieder länger und die Nächte kürzer. Am 27. März beginnt die Sommerzeit, die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt. Der Mond zeigt folgende Phasen: am 2. März Neumond, am 10. März zunehmenden Halbmond, am 18. März Vollmond und am 25. März abnehmenden Halbmond. Der flinke Merkur kommt im Laufe des Monats immer mehr in Sonnennähe und befindet sich daher den ganzen Monat über unsichtbar am Tageshimmel. Wer die Venus sehen will, muss früh aufstehen: Sie geht am Monatsanfang gegen 5:45 Uhr und zum Monatsende gegen 5:15 Uhr am tiefen Südosthimmel auf. Sie verblasst dann mit dem Ende der Morgendämmerung gegen 7:00 Uhr. Mars und der Ringplanet Saturn stehen im Südosten fast auf der Horizontlinie und sind daher nicht sichtbar. Der Gasriese Jupiter steht am Tageshimmel in Sonnennähe und ist deswegen ebenfalls nicht sichtbar. Deshalb ist die Venus in diesem Monat der einzige sichtbare Planet am Himmel.

Dominierendes Frühlingssternbild ist am hohen Südhimmel der Löwe. Sein vorderer Hauptstern Regulus steht genau auf der Ekliptik, der scheinbaren Sonnenbahn am Himmel. Am Westhimmel sind der Stier und die Zwillinge zu sehen, und etwas weiter westlich darunter der Himmelsjäger Orion. Der Große Wagen steht nun fast im Zenit, ihm gegenüber über den Polarstern hinweg sehen wir am Nordhimmel das Himmels-W, die Kassiopeia.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im Februar 2022

Fünfundzwanzig Jahre nach Beginn der Planung startete am 25. Dezember 2021 vom Raumfahrtzentrum Guayana in Französisch-Guayana (Südamerika) eine Ariane-5-Trägerrakete mit dem James-Webb-Space-Teleskop (JWST) an Bord. Es ist ein gemeinsames Projekt der NASA (USA), ESA (Europa) und CSA (Kanada). Mit seinem 6,5-Meter-Spiegel ist es das größte Weltraumteleskop, dass je gebaut wurde. Namensgeber ist der zweite Administrator der NASA, James Edwin Webb (1906-1992). Ziel des Fluges ist ein 1,5 Mill. km entfernter Punkt außerhalb der Erdumlaufbahn, der nach etwa einem Monat Flugzeit erreicht wird. Hier ist das ganze Jahr über Beobachtung möglich, ohne dass das Teleskop vom Tag- und Nacht-Rhythmus der Erde gestört wird. Das Teleskop soll hauptsächlich im Infrarot-Bereich nach dem Urknall entstandene Galaxien untersuchen. Ferner soll neben intergalaktischen Forschungen die Entstehung und Struktur von Schwarzen Löchern und Planetensystemen untersucht werden. Das JWST ist der Nachfolger vom Hubble-Space-Teleskop (HST), dessen Betriebszeit sich nach über dreißig Jahren Dienst dem Ende nähert.

Am 16. Februar wechselt die Sonne in das Sternbild Wassermann, und am 18. Februar tritt sie in das Tierkreiszeichen Fische. Den Mond sehen wir im Februar in folgenden Phasen: am 1. Februar als Neumond, am 8. Februar als zunehmenden Halbmond, am 16. Februar als Vollmond und am 23. Februar als abnehmenden Halbmond. Wer den kleinen Merkur sehen möchte, muss bis nach Norditalien reisen, bei uns kommt er während der morgendlichen Dämmerung nicht über den Südosthorizont. Venus ist in den ersten beiden Monatsdritteln ab etwa 6:00 Uhr bis gegen 7:15 Uhr gut am tiefen Südosthimmel zu erkennen. Bei guten Sichtbedingungen kann man den Mars um den 13. Februar herum etwa 12 Grad unterhalb der hellen Venus gegen 6:45 Uhr am tiefen Südostpunkt ausmachen. Der Gasriese Jupiter ist bis etwa zum 12. Februar am tiefen südwestlichen Abendhimmel für eine kurze Zeit zu sehen, danach ist er unter den Horizont verschwunden. Der Ringplanet Saturn befindet sich diesen Monat am Tageshimmel und ist daher nicht zu beobachten.

Die Wintersternbilder Zwillinge, Orion und Stier sind die dominanten Sternbilder des hohen Südhimmels. Fernglasbesitzer sollten sich den Anblick des Großen Orionnebels unterhalb der drei Gürtelsterne nicht entgehen lassen. Am Osthimmel kündigt der Löwe den nahenden Frühling an. Hoch am Nordosthimmel sehen wir den Großen Wagen als hellsten Teil des Sternbildes Große Bärin. Ihm gegenüber, über den Polarstern hinweg, findet man das Himmels-W, die Kassiopeia.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
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Der Sternenhimmel im Januar 2022

Lucy ist u.a. die Bezeichnung eines 3,2 Mill. Jahre alten fossilen Teilskeletts eines weiblichen Individiums einer Hominiden-Art, welches im Jahre 1974 in Ost-Äthiopien gefunden wurde. Während der Katalogisierung im Forschercamp lief im Hintergrund der Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“, der die Paläontologen dazu inspirierte, ihren fossilen Fund Lucy zu nennen, ein Name, der bis heute gültig ist. Am 16. Oktober 2021 schickte die NASA eine Raumsonde zum Jupiter mit dem Ziel, ab 2027 die Trojaner-Asteroiden zu erkunden, die auf der Umlaufbahn Jupiters dem Gasplaneten entweder um 60 Grad vorauseilen oder um 60 Grad hinterher fliegen. Weil es sich bei den Trojaner-Asteroiden ebenfalls um rudimentäre Objekte aus der Entstehungszeit des Sonnensystems handelt, erhielt die NASA-Sonde in Anlehnung an den fossilen Fund aus Ost-Äthiopien ebenfalls den Namen Lucy. Die Raumsonde fliegt nach ihrer Ankunft an sieben dem Jupiter vorausfliegenden Trojaner-Asteroiden vorbei. Sie soll 2030 zur Erde zurückkehren, hier erneuten Schwung holen und 2033 ein Objekt der nachfliegenden Trojaner erreichen.

Am 20. Januar wechselt die Sonne in das Sternbild Steinbock, und für die Horoskopleser beginnt am selben Tag das Tierkreiszeichen Wassermann. Der Mond zeigt im Laufe des ersten Monats des neuen Jahres folgende Phasen: Am 2. Januar Neumond, am 9. Januar zunehmender Halbmond, am 18. Januar Vollmond und am 25. Januar abnehmender Halbmond. Bei klarem Himmel kann man vom 4. bis zum 14. Januar von 17:00 Uhr an für eine Viertelstunde am tiefen abendlichen Südwesthorizont den sonst so scheuen Planeten Merkur sehen (Fernglas). War Venus im Dezember noch Abendstern, so sehen wir sie ab Monatsmitte bis Monatsende am tiefen morgendlichen Südosthorizont als Morgenstern. Der Mars, ebenfalls ein Objekt am tiefen morgendlichen Südosthorizont, erscheint wegen seiner großen Distanz zur Erde sehr klein und ist unter den Sternen fast nicht auszumachen. Am 29. Januar begegnet er dem Mond. Den Gasriesen Jupiter kann man ab etwa 17:00 Uhr als auffälliges Objekt am abendlichen Südwesthimmel sehen, am 6. Januar steht der Mond 10 Grad östlich (links) von ihm. Der Ringplanet Saturn, ebenfalls am tiefen Südwesthorizont, verläßt die abendliche Südwestbühne, er geht bereits gegen 18:00 Uhr unter.

Der Winterhimmel zeigt eine schöne markante Sternenkonfiguration. Verbindet man auf der nebenstehenden Sternkarte (beginnend im Uhrzeigersinn) die Sterne Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen Hund, Procyon im Kleinen Hund, Pollux in den Zwillingen, und wieder zu Kapella im Fuhrmann, so ergibt sich daraus das sog. Wintersechseck.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de

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Der Sternenhimmel im Dezember 2021

Jahrtausende lang war die Beobachtung des Sternenhimmels nur mit dem bloßen Auge möglich. Selbst unter besten atmosphärischen Bedingungen und vollkommener Dunkelheit sind an der sichtbaren Himmelssphäre maximal ca. 3000 Sterne zu sehen. Das änderte sich schlagartig zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit der Erfindung des Fernrohres bzw. des Teleskopes. Das silbrig schimmernde Band der Milchstraße löste sich beim Blick durch das Teleskop in Milliarden von Sternen auf. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es möglich, mithilfe der Fotografie den nächtlichen Himmelsanblick auf Fotoplatten zu konservieren und zu archivieren. Mitte der 1990er Jahre wurden die Fotoplatten allmählich durch elektronische Bildspeicher ersetzt. Weil die beiden Speichermedien, anders als das menschliche Auge, über lange Belichtungszeiten Lichteindrücke addieren können, werden auch sehr lichtschwache Objekte fotografiert. Mit den Fotoarchiven seit 1885 sind zahlreiche Kataloge entstanden, die es erlauben, auch heute noch auf alten fotografischen Aufnahmen astronomische Entdeckungen zu machen.

Die Sonne tritt am 18. Dezember in das Sternbild Schütze, und für die Horoskopleser wechselt sie am 21. Dezember in das Tierkreiszeichen Steinbock. An diesem Tag beginnt um 16:59 Uhr auf der Nordhalbkugel der astronomische Winter. Am 4. Dezember haben wir Neumond, am 11. Dezember zunehmenden Halbmond, am 19. Dezember Vollmond und am 27. Dezember abnehmenden Halbmond. Der flinke sonnennächste Planet Merkur ist zum Jahresende gegen 16:45 Uhr ganz knapp über dem abendlichen Südwesthorizont für einen Augenblick auszumachen. Drei Planeten erfreuen uns mit Einbruch der Dunkelheit gleichzeitig am Abendhimmel: Am Südhimmel steht der Gasriese Jupiter 25 Grad über dem Horizont, dann etwas weiter westlich und etwas tiefer der Ringplanet Saturn und ganz im Südwesten tief am Himmel die helle Venus. Bei klarem Himmel kann man sie bereits gegen 16:15 Uhr erkennen. Am 8. Dezember gesellt sich die zunehmende Mondsichel zwischen Jupiter und Saturn hinzu. Mars findet man mit guten Beobachtungsbedingungen mit dem Fernglas gegen 7:00 Uhr am tiefen morgendlichen Südosthimmel.

Im Dezember sind am Abendhimmel die bekannten Winterobjekte zu sehen. Von Ost nach West sind das die Sternbilder Orion, Stier, Andromeda und Pegasus. Am Nordhimmel zeigt die Deichsel des Großen Wagens fast genau auf den Nordpunkt, während ihm gegenüber über den Polarstern hinweg die Kassiopeia, das Himmels-W, zu sehen ist. Es lohnt sich, mit dem Fernglas vom Osthorizont über den Zenit hinweg bis zum Westhorizont die Milchstraße am Nachthimmel durchzumustern. Man wird mit dem Anblick von tausenden von Sternen belohnt.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
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Der Sternenhimmel im November 2021

Für Entfernungsangaben im überschaubaren Bereich benutzen wir als Längeneinheit den Meter. Merke: der Meter zum Längenmessen, aber das Meter als Begriff für Messinstrumente, wie z.B. das Thermometer. Das Wort Meter entstammt dem altgriechischen Begriff „metron“ und bedeutet Maß oder Länge. Um die Vielfalt der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gebräuchlichen, meist vom menschlichen Körper abgeleiteten Längenmaße (z.B. Elle, Fuß, Handspanne) abzuschaffen, wurde als einheitliches metrisches Maß die Länge des Meters 1793 vom französischen Nationalkonvent als der zehnmillionste Teil des Erdquadranten festgelegt, wobei als Erdquadrant die Strecke vom Nordpol über Paris bis zum Äquator zugrunde gelegt wurde. Das waren nach damaligen Messungen 10.000 Kilometer bzw. zehn Millionen Meter. Weil sich bei späteren Messungen aber herausstellte, dass die Erde keine vollkommene Kugel, sondern ein sogenanntes Rotationsellipsoid mit einer unregelmäßigen Form ist und somit nicht mehr als Refernz dienen konnte, wurde 1799 als fester Körper ein Platin-Iridium-Stab als Urmeter hergestellt. Er war bis 1960 international als Referenzmaß gültig, danach wurde der Meter aus der Lichtgeschwindigkeit genauer abgeleitet.

Für die Horoskopleser tritt die Sonne am 22. November in das Tierkreiszeichen Schütze. Am 23. November erreicht das Tagesgestirn das Sternbild Skorpion und schon am 29. November wechselt es in das Sternbild Schlangenträger. Am 4. November haben wir Neumond, am 11. November zunehmenden Halbmond, am 19. November Vollmond und am 27. November abnehmenden Halbmond. Merkur ist nur in der ersten Novemberwoche gegen 6:15 Uhr am tiefen Südosthorizont in der Morgendämmerung auszumachen. Die Venus, unser Nachbarplanet, findet man den ganzen Monat über abends zwischen 17:00 und 18:00 Uhr am tiefen Südwesthorizont. Sie ist dort wegen ihrer Helligkeit nicht zu übersehen. Am 8. November hat sie eine Begegnung mit dem zunehmenden Halbmond. Mars befindet sich in Sonnennähe und ist daher nicht zu beobachten. Der Gasriese Jupiter und der Ringplanet Saturn stehen mit etwa 20 Grad Abstand zueinander am südlichen Abendhimmel. Am 10. und 11. November zieht der Mond mit vier Grad Abstand südlich an ihnen vorbei.

Am Sternenhimmel steht das herbstliche Pegasusviereck nach wie vor am hohen Südhimmel. Am Südosthimmel findet man den Stier mit seinem Hauptstern Aldebaran. Oberhalb des Stiers glänzen die Diamanten des offenen Sternhaufens der Plejaden. Am Westhimmel verlassen die Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler den Himmel, während am Osthimmel bereits das Wintersternbild des Himmelsjägers Orion heraufzieht.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
Dazu die Vorschau veröffentlicht im TIP am Sonntag,  im Beig Verlag

Der Sternenhimmel im Oktober 2021

Nachdem sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts das heliozentrische Weltbild (Sonne im Mittelpunkt des Sonnensystems) allmählich durchgesetzt hatte, wollten die Astronomen genaueres über die Bewegungsabläufe der Planeten wissen. Planetenbewegungen sind wiederkehrende Ereignisse am Himmel und damit auch berechenbar. Die präzise Bestimmung von Standorten der Planeten am Himmel war aber ohne relativ genau gehende Uhren nicht möglich. Die Ganggenauigkeit der damals zur Verfügung stehenden Uhren ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, eine Viertelstunde mit mehr oder weniger Abweichung pro Tag war keine Seltenheit. Mit dem 1656 von dem niederländischen Astronomen, Mathematiker und Physiker Christiaan Huygens (1629-1695) entdeckten Pendelgesetz wurde es möglich, ein Pendel als Taktgeber und Gangregler für eine Uhr einzusetzen. Eine nach diesem Prinzip 1657 gebaute Uhr des Uhrmachers Salomon Coster (1622-1659) hatte eine Ganggenauigkeit von +/- 10 Sekunden pro Tag, ein Wert, der erst nach über hundert Jahren verbessert werden konnte.

Für die Horoskopleser tritt die Sonne am 23. Oktober in das Tierkreiszeichen Skorpion, und am 31. Oktober wechselt sie in das Sternbild Waage. An diesem Tage endet auch die Sommerzeit, um 3:00 Uhr werden die Uhren um eine Stunde auf 2:00 Uhr zurückgestellt. Der Mond zeigt sich folgendermaßen: am 6. Oktober haben wir Neumond, am 13. Oktober zunehmenden Halbmomd, am 20. Oktober Vollmond und am 28. Oktober abnehmenden Halbmond. Etwa vom 20. bis 30. Oktober kann man am tiefen Osthimmel bei klarer Sicht zwischen 5:45 Uhr und 6:15 Uhr den kleinsten Planeten des Sonnensystems, Merkur, erspähen. Unser Nachbarplanet, die Venus, steht am Südwesthimmel zwar knapp über dem Horizont, aber sie ist im Abendunst bestenfalls mit einem Fernglas auszumachen. Mars steht in Sonnennähe am Tageshimmel und ist daher den ganzen Monat über nicht sichtbar. Der Gasriese Jupiter wandert den Monat über nach Sonnenuntergang (ca. 19:00 Uhr) von Südosten nach Südwesten. Gegen 1:00 Uhr geht er dort unter. Der Ringplanet Saturn steht etwa 15 Grad westlich (rechts) von Jupiter. Er erscheint zeitgleich mit dem Gasriesen am Himmel, geht jedoch bereits gegen 23:30 Uhr unter.

Das Sommerdreieck Deneb-Wega-Atair wandert an den Südwesthimmel. Dafür steht jetzt das Herbstviereck hoch am Südhimmel, welches aus den vier Kastensternen Alpheratz, Scheat, Markab und Algenib des Herkules gebildet wird. Oberhalb des Herkules, fast genau im Zenit, sieht man das Himmels-W, die Kassiopeia, während am tiefen Nordhorizont der Große Wagen, dessen Deichsel nach Osten (rechts) zeigt, nicht zu übersehen ist.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im September 2021

Das Jahr hat bekanntlich vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ursache ist die Schrägstellung der Erdachse. Gefühlsmäßig setzen wir voraus, dass jede Jahreszeit gleichlang ist, denn 365 Tage (gerundet) eines Jahres geteilt durch vier ist 91,25 Tage für jede Jahreszeit. Das würde gelten, wenn die Erdbahn um die Sonne ein exakter Kreis wäre. Dem ist aber nicht so, die Form der Erdbahn ist wie alle Planetenbahnen eine Ellipse, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht. Das ist zugleich das erste Kepler-Gesetz der Planetenbewegungen. Daher ist die Erde einmal näher (im sog. Perihel) und einmal weiter (im sog Aphel) von der Sonne entfernt. Im sonnennächsten Bahnteil (Winter auf der Nordhalbkugel) läuft sie schneller als im sonnenfernsten Bahnteil (Sommer auf der Nordhalbkugel) um die Sonne. Der Unterschied der Sonnenentfernung zwischen diesen beiden Bahnpositionen beträgt etwa fünf Millionen Kilometer. Frühling und Sommer sind dadurch zwischen 92,7 bis 93,7 Tage, Herbst und Winter nur etwa 89 Tage lang.

Am 16. September tritt die Sonne in das Sternbild Jungfrau, und die Horoskopleser verzeichnen am 22. September den Eintritt der Sonne in das Tierkreiszeichen Waage. An diesem Tag beginnt um 20:21 Uhr MESZ der astronomische Herbst, mit der Tag-und-Nacht-Gleiche sind der Tag und die Nacht gleichlang. Am 7. September haben wir Neumond, am 12. September zunehmenden Halbmond, am 21. Sptember Vollmond und am 29. September abnehmenden Halbmond. Der flinke Merkur steht unter dem Horizont und ist im Monat September nicht sichtbar. Venus ist am tiefen Südwesthorizont bestenfalls gegen 19:45 Uhr in der Abenddämmerung kurz zu sehen. Mars steht nahe bei der Sonne. Zudem verläuft seine Bahn tagsüber unter dem Horizont, und er ist somit nicht beobachtbar. Der Gasriese Jupiter wandert von etwa 20:00 Uhr vom Südosthimmel bis gegen 3:00 Uhr zum Südwesthimmel. Um 23:00 Uhr herum steht er 22 Grad über dem Südhorizont und ist somit hervorragend zu sehen. Der Ringplanet Saturn ist nach wie vor westlicher (rechter) Nachbar von Jupiter. Weil er dem Gasriesen um etwa 15 Grad vorangeht, verschwindet er bereits gegen 2:00 Uhr unter dem Südwesthorizont.

Im September ist noch das Sommerdreieck, bestehend aus Deneb im Schwan, Wega in der Leier, und Atair im Adler, am Südhimmel präsent. Am Südosthimmel sehen wir das Herbstviereck, bestehend aus den vier Kastensternen des Sternbildes Pegasus. Zieht man eine Linie vom unteren rechten Kasternstern zum oberen linken und verlängert diese Linie um die gleiche Länge, so kann man in mondlosen dunklen Nächten unsere Nachbargalaxis, den Andromeda-Nebel, als diffusen Nebelfleck erkennen.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
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Der Sternenhimmel im August 2021

Der Mount Everest im Himalaya-Gebirge auf der Grenze von Nepal im Süden und Tibet im Norden ist mit einer Höhe von 8848 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg der Erde. Nimmt man allerdings als Referenzbasis den Meeresgrund, dann ist der Schildvulkan Mauna Kea auf Hawaii mit 10203 Metern der höchste Berg. Auf seinem Gipfel befindet sich eines der größten astronomischen Observatorien der Welt. Weil er aufgrund seines Gewichtes in den Meeresboden einsinkt, beträgt die wahre Größe des Felsmassivs sogar etwa 17000 Meter. Ist hingegen der Erdmittelpunkt die Referenzbasis, dann ist der Gipfel des in Ecuador befindlichen Schichtvulkanmassivs Chimborazo mit 6263 Metern über dem Meeresspiegel wegen seiner Äquatornähe der höchste Punkt der Erde. Diese doch recht beeindruckenden Zahlen werden jedoch von einem Vulkanberg auf dem Mars noch getoppt: Olympus Mons ragt an seinem Standort etwa 27000 Meter aus der umliegenden Tiefebene. Er ist somit der höchste Berg in unserem Sonnensystem. Befände er sich in Europa, so würde seine Basis mit einem Durchmesser von 600 km damit ganz Polen bedecken.

Am 10. August tritt die Sonne in das Sternbild Löwe und für die Horoskopleser am 22. August in das Tierkreiszeichen Jungfrau. Am 8. August haben wir Neumond, am 15. August zunehmenden Halbmond, am 22. August Vollmond und am 30. August abnehmenden Halbmond. Merkur befindet sich in Sonnennähe in oberer Konjunktion, d.h. er steht hinter der Sonne und ist somit am Tageshimmel unsichtbar. Venus ist nach wie vor am tiefen westlichen Abendhimmel in der Dämmerung nur sehr schwer zu erspähen. Der rote Planet Mars ist unter die Horizontlinie gewandert und somit nicht zu sehen. Der Gasriese Jupiter ist ein Objekt für die ganze Nacht. Um den 20. August herum steht er am Südhimmel der Sonne gegenüber und hat damit auch mit 600 Mill. km den geringsten Abstand zur Erde. Sein Licht benötigt für diese Strecke ca. 33 Minuten. Den Ringplaneten Saturn findet man etwas westlich (rechts) vom Jupiter. Auch er ist die ganze Nacht über sichtbar. Am 20. August steht er etwa fünf Grad über dem fast vollen Mond.

Die Nächte um die Augustmitte sind die Zeit der Perseïden, eines Meteorstromes, dessen Ursprung die Auflösungsreste eines Kometen sind und die scheinbar aus dem namengebenden Sternbild Perseus kommen. Die daraus resultierenden Sternschnuppen nennt man auch die Tränen des Laurentius, eines römischen Märtyrers des ersten Jahrhunderts. Man findet Perseus am hohen Nordosthimmel. Die beste Beobachtungszeit liegt in der zweiten Nachthälfte, weil die Erde dann auf ihrer Bahn um die Sonne direkt in den Meteorschwarm hineinfliegt. Mit etwas Glück sieht man 10 bis 30 Sternschnuppen.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
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Der Sternenhimmel im Juli 2021

Am Freitag, den 13. April 2029 geht die Welt unter. Diese oder eine ähnliche Schlagzeile wurde im Juni 2004 von einschlägigen Gazetten propagiert. Ursache war ein am 19. Juni 2004 entdeckter Asteroid. Er trägt inzwischen die offizelle Bezeichnung (99942) Apophis, benannt nach einer altägyptischen Gottheit, welche für Auflösung, Finsternis und Chaos steht. Nach ersten Bahnberechnungen des ca. 340 Meter großen Himmelskörpers sollte dieser an besagtem 13. April 2029 mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf der Erde einschlagen. Inzwischen sind seine Bahndaten mittels Radarbeobachtungen präzisiert worden. Danach wird Apophis an diesem Tag in ca. 32.000 km Entfernung an der Erde vorbeifliegen. Das ist immerhin noch näher als die in 36.000 km Höhe fliegenden geostationären Astra-Fernsehsatelliten. Für die Jahre 2036 und 2068 waren ähnliche dichte Vorbeiflüge errechnet worden, aber inzwischen hat sich herausgestellt, dass Apophis die Erde auch in diesen beiden Jahren verfehlen wird. In den nächsten einhundert Jahren ist von ihm nichts zu befürchten.

Am 20. Juli wandert die Sonne in das Sternbild Krebs, und am 22. Juli tritt sie in das Tierkreiszeichen Löwe. Der Mond zeigt folgende Phasen: Am 1. Juli abnehmenden Halbmond, am 10. Juli Neumond, am 17. Juli zunehmenden Halbmond, am 24. Juli Vollmond und am 31. Juli abnehmenden Halbmond. Merkur steht um die Monatsmitte fast auf der Nordosthorizontlinie und ist in der Morgendämmerung daher nicht zu sehen. Unser Nachbarplanet Venus kommt ebenfalls nur wenig über den abendlichen Nordwesthorizont   hinaus, als Abendstern ist er äußerst schwer auszumachen. Mars hat den Abendhimmel verlassen und bleibt unsichtbar. Den Gasriesen Jupiter und den Ringplaneten Saturn findet man in der zweiten Monatshälfte ab etwa Mitternacht bis zur Morgendämmerung am Südhimmel. Zwischen dem 24. Juli und 26. Juli wandert der Mond in den frühen Morgenstunden südlich an den beiden Großplaneten vorbei.

Obwohl Sommernächte nie ganz dunkel werden, so ist doch das Sommerdreieck, bestehend aus Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler, wegen der Helligkeit dieser drei Sterne hoch am Südhimmel leicht zu finden. Die helle Wega dient dabei als Aufsuchhilfe, sie steht fast genau senkrecht über dem Beobachter im Zenit. Östlich (links) der Wega zeigt der lange Hals des Schwans in Richtung Südwesten, während südlich des Schwans die Sterne des Adlers von Südwesten nach Nordosten eine Linie bilden. Am Nordwesthimmel ist der Große Wagen nicht zu übersehen; die Fortsetzung des Bogens seiner Deichsel zielt genau auf den hellen Stern Arktur im Rinderhirten.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
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Der Sternenhimmel im Juni 2021

Sonnen- und Mondfinsternisse sind spektakuläre Himmelsereignisse, die immer wieder faszinieren. Während man Mondfinsternisse auf der gesamten Erdhalbkugel, auf der der Mond über dem Horizont steht, sieht, sind Sonnenfinsternisse für einen bestimmten Ort recht selten. Bei einer Sonnenfinsternis bedeckt der Neumond die Sonne. Dabei wandert sein Kernschatten in einem recht schmalen Streifen mit etwa 2500 km/h Geschwindigkeit über die Erdoberfläche. Weil die Mondbahn elliptisch ist, kann es vorkommen, dass der Kernschatten des Mondes nicht bis zur Erde reicht, die verfinsterte Sonne ist dann während der Totalitätsphase – und nur dann – von einem hellen Ring umgeben. Man spricht von einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Solch ein Himmelsereignis findet am 10. Juni statt. Leider bekommen wir Norddeutschen nicht viel davon mit. Etwa zwischen 11:45 Uhr und 13:30 Uhr bedeckt ein Teil des Neumondes den oberen Rand der Sonne, man sieht eine halbkreisförmige schwarze Einbuchtung. (Auf keinen Fall mit ungeschützten Augen in die Sonne schauen! Erblindungsgefahr!) Wer die Sonnenfinsternis in ihrer ganzen Pracht erleben will, muss nach Grönland reisen.

Am 21. Juni um 5:32 Uhr MESZ tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs. Dies ist zugleich der Beginn des astronomischen Sommers. Der Mond zeigt sich in folgenden Phasen: am 2. Juni als abnehmender Halbmond, am 10. Juni (Sonnenfinsternis!) als Neumond, am 18. Juni als zunehmender Halbmond und am 24. Juni als Vollmond. Obwohl Merkur bis Monatsende einen 20 Grad großen westlichen Winkelabstand von der Sonne erreicht,  lässt die helle Morgendämmerung eine Sichtbarkeit nicht zu. Venus wird in den folgenden Wochen allmählich wieder zum Abendstern. Ihre Untergänge fallen im Juni noch in die Abenddämmerung, der westliche Horizont ist aber zu hell, um sie beobachten zu können. Mars verlässt allmählich den Abendhimmel. Bevor er vor Mitternacht untergeht, ist er im hellen westlichen Horizontdunst nicht mehr auszumachen. Der Gasriese Jupiter geht um die Mitternacht im Südosthorizont auf. Er ist nach Sonne, Mond und Venus das hellste Objekt am Himmel und daher gut zu beobachten. Etwa 20 Grad westlich des Jupiters findet man den Ringplaneten Saturn. Er ist nach Venus und Jupiter der dritthellste Planet am Firmament.

In den kurzen Juninächten sind nur die hellsten Sterne am Himmel sichtbar. Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler sind am südöstlichen Himmel die drei markanten Sterne des Sommerdreiecks. Den Großen Wagen findet man am Nordwesthimmel, seine Deichsel zeigt fast genau nach Süden. Am Nordhimmel sieht man das Himmels-W, das Sternbild der Kassiopeia.

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Der Sternenhimmel im Mai 2021

In schönen klaren Nächten kann man hin und wieder hier und da eine kurz aufleuchtende helle Spur am Himmel wahrnehmen. Es handelt sich dabei um kleine Stein- oder Eisenfragmente, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 72 km/Sek in die Erdatmosphäre eindringen und dort aufgrund der Reibungshitze verglühen. Sie sind als Sternschnuppen bekannt. Ihr Ursprung können die Reste eines sich auflösenden Kometen sein; die weitaus größere Zahl stammt jedoch aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, wo sie bei der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren übriggeblieben sind. Solange sie am Himmel als Sternschnuppen zu sehen sind, heißen sie Meteoroide, fallen sie bis zur Erde herab, nennt man sie Meteorite. Ihr Gewicht liegt zwischen einigen Gramm bis zu Dutzenden von Kilogrammen. Man schätzt, dass etwa 100 Tonnen pro Tag auf die Erde fallen. Weil die Erdoberfläche zu 70% mit Wasser bedeckt ist, fallen die meisten ins Meer oder auf dünn besiedelte Gebiete und werden nicht mehr aufgefunden.

Am 14. Mai tritt die Sonne in das Sternbild Stier und für die Horoskopleser geht sie am 20. Mai in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Der Mond zeigt sich folgendermaßen: am 3. Mai als abnehmender Halbmond, am 11. Mai als Neumond, am 19. Mai als zunehmender Halbmond und am 26. Mai als Vollmond. Zwischen dem 12. und 17. Mai kann man den sonst recht scheuen Planeten Merkur gegen 22:00 Uhr bis 22:30 Uhr am tiefen Nordwesthimmel knapp über dem Horizont erspähen. Am 13. Mai gegen 22:00 Uhr steht er neben der schmalen zunehmenden Mondsichel. Die Sichtbarkeit der Venus ist stark beeinträchtigt, sie verschwindet in der Dämmerung nach Sonnenuntergang unter den Westhorizont. Mars ist ein Objekt der ersten Nachthälfte. Er ist am tiefen Westhimmel bis kurz vor Mitternacht auszumachen. Der Gasriese Jupiter ist etwas für Frühaufsteher, man sieht ihn gegen 4:30 Uhr am tiefen Südosthimmel. Der Ringplanet Saturn ist am Himmel ein Nachbar von Jupiter, er steht etwa 15 Grad westlich (rechts) vom Jupiter.

Am Fixsternhimmel wandern die Frühlingssternbilder Löwe und Zwillinge an den Westhimmel, während am Nordosthimmel bereits die Sommersternbilder Schwan und Leier heraufziehen. Das Sternbild Jungfrau finden wir am Südhimmel, wobei der Hauptstern Spica genau im Süden steht. Die Deichsel des Großen Wagens steht senkrecht über dem Beobachter im Zenit, etwas rechts davon kann man seine vier Kastensterne sehen. Verlängert man den Abstand der zwei hinteren Kastensterne fünfmal Richtung Norden, so trifft man den Polarstern und damit die fast genaue Nordrichtung am Himmel.

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Der Sternenhimmel im April 2021

Die mittlere Entfernung der Erde von der Sonne beträgt 149,6 Mill. km, handlich aufgerundet auf 150 Mill. km. Diese Strecke ist gleich dem Erdbahnradius, man nennt sie auch die Astronomische Einheit AE. Sie wird überwiegend als Entfernungsmaßeinheit innerhalb des Sonnensytems benutzt. So hat z.B. der sonnenfernste Planet Neptun in diesem Maßstab eine mittlere Sonnenentfernung von 30 AE. Verläßt man unser Sonnensystem bis zu einer Distanz von 206.000 AE, so erscheint von dort gesehen der Erdbahnradius nur noch unter einem Winkel von einer Bogensekunde. Diese Entfernung nennt man 1 Parsec, zusammengesetzt aus den Wörtern Parallaxe und Secunde. Diese Strecke ist das gebräuchliche Längenmaß in der Astronomie, und sie entspricht einem Abstand von 3,26 Lichtjahren. Dieses astronomische Längenmaß Parsec ist die Standardeinheit für interstellare und intergalaktische Entfernungen im Universum. Um bei den ungeheuren Entfernungen Zahlenungetüme zu vermeiden, benutzt man für große Distanzen Kiloparsec kpc entsprechend 1.000 pc oder Megaparsec mpc entsprechend 1.000.000 pc.

Am 18. April tritt die Sonne in das Sternbild Widder und für die Horoskopleser am 19. April in das Tierkreiszeichen Stier. Am 4. April, dem Ostersonntag, haben wir abnehmenden Halbmond, am 12. April Neumond, am 20. April zunehmenden Halbmond und am 27. April Vollmond. Mit Planetenbeobachtungen ist es im April schlecht bestellt. Merkur ist nicht zu beobachten, denn tagsüber steht er in Sonnennähe, während er sich nachts unter dem Horizont aufhält. Unser Nachbarplanet Venus entzieht sich ebenfalls der Beobachtung, sie bleibt am Tageshimmel in den Strahlen der Sonne verborgen. Mars ist ein Objekt der ersten Nachthälfte, er zeigt sich jedoch wegen seiner derzeitigen großen Erdentfernung etwas unscheinbar und ist sehr schwer am abendlichen Westhimmel auszumachen. Die Gasplaneten Jupiter und Saturn findet man gegen 5:30 Uhr am südöstlichen Morgenhimmel, sie verschwinden aber recht rasch in der aufkommenden Morgendämmerung.

Am Sternenhimmel dominiert das Frühlingsdreieck, bestehend aus Arktur, Hauptstern des Sternbild Bootes oder Rinderhirte, sowie Spica, dem Hauptstern im Sternbild Jungfrau und Regulus, Hauptstern im Sternbild Löwe. Alle drei Sternbilder sind typische Frühlingssternbilder, wobei man den Löwen hoch am Südhimmel sieht. In der westlichen Himmelshälfte findet man das Sternbild Zwillinge mit den beiden Hauptsternen Kastor und Pollux. Genau senkrecht über dem Beobachter steht im Zenit der Große Wagen. Ganz tief am Westhorizont verabschiedet sich das Wintersternbild des Himmelsjägers Orion.

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Der Sternenhimmel im März 2021

Wir vermüllen nicht nur unseren Planeten, sondern auch den erdnahen Weltraum bis zu Bahnhöhen von etwa 36.000 km. Man schätzt, dass Milliarden Weltraumschrottteile mit einer Gesamtmasse von etwa 7.600 Tonnen täglich unseren Planeten umkreisen. Es handelt sich dabei um Partikel von einigen Mikrometern bis zu mehreren Metern Größe. Es sind dies z.B. ausgediente Raketenoberstufen, Abdeckbleche, abgesprengte Haltebolzen, verlorenes Werkzeug von Astronauten, außer Betrieb gesetzte Satelliten und dgl. mehr. Treibstoffreste können sich aufgrund von Druckänderungen in den Tanks entzünden und das Objekt explosionsartig in unzählige Trümmerteile zerreißen. Ihre Bahngeschwindigkeiten betragen typischerweise ca. 8 km/sek. Damit sind sie eine große Gefahr für den regulären Betrieb von Satelliten. Mit einem speziellen Radar werden die Bahnen von etwa 900.000 Teilen in Größen von einigen Zentimetern und mehr erfaßt und in einer Datenbank registriert. Gefährdete Objekte, wie z.B. Satelliten oder die ISS, können somit rechtzeitig Ausweichmanöver durchführen.

Am 12. März wandert die Sonne in das Sternbild Fische, und für die Horoskopanhänger tritt sie am 20. März um 10:37 Uhr in das Tierkreiszeichen Widder. Dieser Zeitpunkt ist zugleich der astronomische Frühlingsbeginn; die Tage werden nun wieder länger und die Nächte kürzer. Den Mond sehen wir am 6. März als abnehmenden Halbmond, am 13. März haben wir Neumond. Am 21. März beobachten wir den zunehmenden Halbmond und am 28. März haben wir Vollmond. An diesem Tag müssen die Uhren eine Stunde vorgestellt werden, es beginnt die Sommerzeit. Merkur bleibt unter dem Horizont, ab Monatsmitte steht er am Tageshimmel in Sonnennähe und ist daher nicht zu sehen. Die Venus befindet sich ebenfalls in Sonnennähe und bleibt unsichtbar. Mars kann man ab den frühen dunklen Abenstunden am hohen Südwesthimmel bis zu seinem Untergang am tiefen Westhorizont gegen Mitternacht verfolgen.  Jupiter und Saturn stehen bis Monatsmitte unter dem Osthorizont. Ihr Aufgang fällt mit dem Sonnenaufgang zusammen, in der heller werdenden Morgendämmerung sind sie nicht zu sehen.

Am nächtlichen Frühlingshimmel dominiert hoch oben im Zenit der Große Wagen. Am hohen Südosthimmel sieht man das Frühlingssternbild Löwe mit seinem hellen Hauptstern Regulus, am Südhimmel die Zwillinge mit ihren beiden hellen Sternen Kastor und Pollux. Am Westhimmel steht das Sternbild Stier mit dem Hauptstern Aldebaran. Am tiefen Westhimmel verabschiedet sich das Wintersternbild Orion, und noch etwas tiefer am Südhimmel glänzt der Sirius als hellster Fixstern des Himmels.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
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Der Sternenhimmel im Februar 2021

Die am 11. Dezember 1998 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral gestartete NASA-Sonde „Mars Climate Orbiter“ erreichte am 23. September 1999 den Mars. Sie sollte die Marsatmosphäre untersuchen. Bei Ankunft sollte sie von der Mars-Gravitation eingefangen und zunächst in eine elliptische Bahn von 150 km kleinstem und 21.000 km größtem Abstand von der Marsoberfläche einschwenken. Mit einem Bremsmanöver durch mehrfaches Eintauchen in die obersten Schichten der Marsatmosphäre sollte sie nach 44 Tagen einen kreisförmigen Orbit in 421 km Höhe erreichen. Doch nach dem Austritt der Sonde aus dem Funkschatten des Mars konnte kein Kontakt mehr zu ihr hergestellt werden. Die Auswertung ihrer Telemetriedaten ergab, dass sie nicht in 150 km Höhe in die Marsatmosphäre eingetaucht war, sondern in 57 km Höhe. Hier ist die Atmosphäre aber bereits so dicht, dass die Sonde durch die Reibungshitze verglühte. Über die Ursache des Desasters kann man nur den Kopf schütteln: Der Hersteller Lockheed Martin hatte die Steuersoftware mit amerikanischem Maßsystem (z.B. Zoll, Yard, Meile) programmiert, obwohl international das metrische Maßsystem (z.B. Zentimeter, Meter, Kilometer) üblich ist.

Am 16. Februar wechselt die Sonne in das Sternbild Wassermann, und am 18. Februar tritt sie in das Tierkreiszeichen Fische. Am 4. Februar haben wir abnehmenden Halbmond, am 11. Februar Neumond, am 19. Februar zunehmenden Halbmond und am 27. Februar sehen wir den Vollmond. Die Planeten machen sich im Februar bis auf Mars recht rar am Nachthimmel. Merkur steht am Tageshimmel zunächst in Sonnennähe, kommt aber im Laufe des Monats nicht mehr über den Horizont und ist daher nicht zu sehen. Venus ist wegen ihres kleiner werdenden Abstands zur Sonne am Tageshimmel ebenfalls unsichtbar. Mars ist ein Objekt der ersten Nachthälfte, er verläßt den Himmel am Westhorizont etwa eine Stunde nach Mitternacht. Die beiden Großplaneten Jupiter und Saturn befinden sich in Gesellschaft mit der Venus in Sonnennähe am Tageshimmel und sind daher nicht zu sehen.

Bei unbewölktem klarem Nachthimmel können wir einen prachtvollen winterlichen Sternenhimmel bewundern. Am Südhimmel finden wir den Himmelsjäger Orion, und etwas darüber, fast im Zenit, steht das Sternbild Zwillinge. Ein Stück weiter westlich davon ist der Stier mit seinem rötlichen Hauptstern Aldebaran zu sehen. Am Nordosthimmel glänzt der Große Wagen, ihm gegenüber über den Himmelsnordpol hinweg finden wir das Himmels-W, das Sternbild Kassiopeia. Am Osthimmel kündigt sich mit dem Sternbild Löwe bereits der Frühling an.

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Der Sternenhimmel im Januar 2021

Kein Bericht wegen Krankheit des Autors.

Der Sternenhimmel im Dezember 2020

Kein Bericht wegen Krankheit des Autors.

Der Sternenhimmel im November 2020

Kein Bericht wegen Krankheit des Autors.

Der Sternenhimmel im Oktober 2020

Wie viele Planeten gibt es in unserem Sonnensystem? Bis zum Jahre 1781 waren es sechs: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn. Am 13. März 1781 entdeckte William Herschel (1738-1822) den siebten Planeten Uranus. Aus den Abweichungen der beobachteten  gegenüber den berechneten Bahnpositionen konnte der französische Mathematiker Urbain LeVerrier (1811-1877) die Position eines achten Planeten errechnen, der dann auch 1846 von dem deutschen Astronomen Johann Gottfried Galle (1812-1910) am errechneten Ort gefunden wurde und den Namen Neptun erhielt. Im Jahre 1930 fand der amerikanische Astronom Clyde Tombaugh (1906-1997) den neunten Planeten Pluto. 2006 wurde Pluto von der Internationalen Astronomischen Union u.a. wegen seiner geringen Größe der Planetenstatus aberkannt, er war von nun an ein Objekt der neuen Kategorie Zwergplanet. Aber auch Neptun hielt und hält sich nicht genau an die berechneten Bahnpositionen, man vermutet daher, dass es einen neunten Planeten geben müsse, der Neptuns Bahn beeinflusst.

Für die Horoskopleser tritt die Sonne am 23. Oktober in das Tierkreiszeichen Skorpion, real wandert sie am 31. Oktober in das Sternbild Waage. Am 1. Oktober haben wir Vollmond, am 10. Oktober abnehmenden Halbmond, am 16. Oktober Neumond, am 23. Oktober zunehmenden Halbmond und am 31. Oktober wieder Vollmond. Am 25. Oktober werden die Uhren von 3:00 Uhr MESZ um eine Stunde auf 2:00 Uhr MEZ auf die Winterzeit zurückgestellt. Merkur steht den ganzen Monat über unter dem Horizont und ist daher in unseren Breiten nicht sichtbar. Die Venus ist am tiefen Osthimmel nach wie vor heller Morgenstern. Am 3. Oktober berührt sie im Sternbild Löwe scheinbar dessen Hauptstern Regulus, der Abstand beträgt nur ein Sechstel eines Vollmonddurchmessers. Ebenfalls am 3. Oktober ziehen der Mars und der Mond in anderthalb Grad Abstand aneinander vorbei. Am 6. Oktober erreicht der Mars mit 62 Mill. km den geringsten Abstand zur Erde. Er ist dann bis zu den Venusaufgängen zwischen 3:00 und 4:00 Uhr das hellste Objekt und nach wie vor die ganze Nacht sichtbar. Jupiter und Saturn kann man ab etwa 18:30 Uhr bis zu deren Untergängen gegen 20:30 Uhr am tiefen Südwesthimmel beobachten.

Senkrecht über dem Beobachter ist im Zenit das Herbstviereck, bestehend aus den vier hellsten Sternen des Sternbildes Pegasus, zu sehen. Am Osthimmel finden wir das Sternbild Stier, während sich am Südwesthimmel die Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler allmählich verabschieden. Am tiefen Nordhimmel dominiert der Große Wagen die herbstliche Himmelsbühne.

Lutz Zimmermann, RVST e.V. www.sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im September 2020

Der Mars ist unser Nachbarplanet außerhalb der Erdbahn. Mit einer Umlaufzeit von knapp 687 Tagen wird er von der schnelleren Erde mit ihrer Umlaufzeit von 365 Tagen etwa alle 26 Monate überholt. Weil alle Planetenbahnen Ellipsen sind, gibt es einen kleinsten und einen größten Abstand zur Sonne. Beim Mars beträgt die Differenz zwischen diesen beiden Größen ca. 42 Mill. km. (zum Vergleich: Erde  nur 5 Mill. km). Steht der Mars bei solchen Begegnungen an seinem sonnennächsten Bahnabschnitt, so kann der minimalste Abstand Erde-Mars im günstigsten Fall etwa 56 Mill. km betragen. Der diesjährige Abstand mit 62 Mill. km ist nur geringfügig größer. Der rote Planet steht dann die ganze Nacht am irdischen Himmel und läßt sich hervorragend beobachten. Diese Situation tritt dieses Jahr von Ende September bis Mitte Oktober ein. Wegen dieser relativen Erdnähe erscheint er uns trotz seiner nur halben Erdgröße von 6770 km sehr groß und hell, er ist dann nach Mond und Venus das dritthellste Objekt am irdischen Nachthimmel.

Am 16. September wechselt die Sonne in das Sternbild Jungfrau, und für die Horoskopleser tritt sie am 22. September um 14:31 Uhr in das Tierkreiszeichen Waage. Das ist zugleich der astronomische Herbstanfang. Am 2. September haben wir Vollmond, am 10. September abnehmenden Halbmond, am 17. September Neumond und am 24. September zunehmenden Halbmond. Merkur steht unter dem Horizont und ist daher nicht sichtbar. Die Venus hingegen ist nach wie vor strahlender Morgenstern. Ihre Aufgänge verlagern sich im Laufe des Monats von 2:45 Uhr auf 3:45 Uhr, und man kann sie wegen ihrer Helligkeit bis in den Tageshimmel hinein sehen. Der rote Mars scheint für die kommenden Wochen am hohen Südwesthimmel stillzustehen, ein Effekt, der auf das „Überholmanöver“ der Erde zurückzuführen ist. Den Gasriesen Jupiter und den Ringplaneten Saturn kann man vom tiefen Südhorizont ab etwa 20:00 Uhr in Richtung Südwesten bis zu deren Untergängen gegen Mitternacht beobachten.

Am Südosthimmel fällt eine quadratische Konstellation auf. Es sind die vier Hauptsterne des Sternbildes Pegasus, auch Herbstviereck genannt. Das Sommerdreieck, bestehend aus Deneb im Sternbild Schwan, Wega im Sternbild Leier und Atair im Sternbild Adler ist nach Südwesten gewandert. Der Große Wagen mit seinen markanten sieben Sternen steht am tiefen Nordhimmel, während das Himmels-W, die Kassiopeia, genau senkrecht über dem Beobachter im Zenith steht. Am tiefen Nordosthimmel lugt das rote Auge des Stiers, der Aldebaran, über den Horizont.

Lutz Zimmermann, RVST e.V. www.sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im August 2020

Von den vier innersten Monden des Jupiter – Io, Europa, Ganymed und Kallisto, die auch nach ihrem Entdecker Galileo Galilei (1564-1642) die Galileischen Monde genannt werden – ist der innerste Mond Io mit einer mittleren Entfernung von 421.600 km vom Jupiter ohne Zweifel der bemerkenswerteste. Seine Rotationszeit von 1 Tag und 18,5 Stunden dauert genausolange wie ein Umlauf um den Gasriesen. Daher wendet er Jupiter, genau wie der Erdmond der Erde, immer die selbe Seite seiner Oberfläche zu. Mit einem Durchmesser von 3.643 km ist er geringfügig größer als der Erdmond. Sein auffälligstes Merkmal ist jedoch sein aktiver Vulkanismus, der von keinem anderen Objekt des Sonnensystems übertroffen wird. Wegen seiner relativen Nähe zum 139.000 km durchmessenden Jupiter wirken die enormen Gezeitenkräfte des Gasriesen und die Gravitationskräfte der drei anderen Monde auf ihn ein. Aufgrunddessen wird er regelrecht durchgeknetet und aufgeheizt. Der dadurch hervorgerufene Vulkanismus hat eine ständige Änderung der Oberfläche zur Folge. Man vermutet etwa 400 aktive Vulkane auf dem Mond.

Am 10. August tritt die Sonne in das Sternbild Löwe und am 22. August in das Tierkreiszeichen Jungfrau. Am 3. August haben wir Vollmond, am 11. August abnehmenden Halbmond, am 19. August Neumond und am 25. August zunehmenden Halbmond. Der flinke Merkur ist in den ersten 3 bis 4 Monatstagen gegen 4:40 Uhr für etwa 20 Minuten am tiefen Nordosthorizont zu sehen. Unsere glanzvolle Nachbarin Venus geht den ganzen Monat über gegen 2:40 Uhr am Osthimmel auf und ist bis in die aufkommende Morgendämmerung sichtbar. Ebenfalls während des ganzen Monats über geht der rote Mars ab etwa 22:30 Uhr  über den Osthorizont auf und ist bis zur Morgendämmerung am hohen Südhimmel zu sehen. Die Sichtbarkeit der beiden relativ nahe beieinanderstehenden Gasplaneten Jupiter und Saturn am Südwesthimmel beschränkt sich im Laufe des Monats allmählich auf die erste Nachthälfte.

Um den 12. August ist zwischen 22:00 Uhr und 4:00 Uhr am hohen Nordosthimmel die Hinterlassenschaft des Kometen Swift/Tuttle, die Sternschnuppen der Perseiden, zu bewundern. Das Sommersternbild Schwan, auch wegen seiner Form Kreuz des Nordens genannt, steht senkrecht über dem Beobachter im Zenit des Himmels. Sein Hauptstern Deneb bildet mit den Sternen Wega in der Leier und Atair im Adler das sog. Sommerdreieck. Der Große Wagen, Teil des Sternbildes Großer Bär, neigt sich zum Nordwesthorizont, während am tiefen Nordhorizont die gelbliche Capella, Hauptstern im Sternbild Fuhrmann, steht.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im Juli 2020

Im Jahr 1927 entdeckte der belgische Astrophysiker Georges Lemaitre (1894-1966),  dass sich das Universum ausdehnt. Die gegenseitige Anziehungskraft der darin enthaltenen Materie müsse allerdings früher oder später die Oberhand bekommen und daher die Expansion des Universums allmählich abbremsen. Doch im Jahre 1998 entdeckten zwei Astrophysikerteams etwas völlig Unerwartetes: Die Expansionsrate verlangsamt sich gar nicht, im Gegenteil, das Universum dehnt sich immer schneller aus. Berechnungen ergaben, dass diese Beschleunigung vor etwa sieben Milliarden Jahren begann und seitdem immer größer wird. Es muß also eine Art Anti-Schwerkraft geben, die der Anziehungskraft der Materie entgegenwirkt. Der amerikanische Astrophysiker Michael S. Turner (geb. 1946) prägte für diese unbekannte Kraft im Jahr 1998 den Begriff „Dunkle Energie“. Das Wort Dunkel bezieht sich dabei nicht auf die Sichtbarkeit, sondern auf das Nichtwissen der Astrophysiker über das Wesen der Dunklen Energie. Man hat bis heute nicht herausgefunden, was Dunkle Energie ist, man kennt nur ihre Wirkung und weiß daher, dass es sie gibt.

Am 20. Juli tritt die Sonne in das Sternbild Krebs, und für die Horoskopleser wechselt sie am 22. Juli in das Tierkreiszeichen Löwe. Den Mond sehen wir am 5. Juli als Vollmond, am 13. Juli als abnehmenden Halbmond; am 20. Juli haben wir Neumond und am 27. Juli zunehmenden Halbmond. Merkur ist ab dem 24. Juli bis zum Monatsende am tiefen Nordosthorizont von 4:45 Uhr an für eine halbe Stunde sichtbar. Unser Nachbarplanet, die helle Venus, ist seit Anfang des vorigen Monats Morgenstern, sie ist bis zum Jahresende am Ost- bzw. Ostsüdosthimmel zu sehen. Am 17. Juli hat sie eine Begegnung mit dem abnehmenden Halbmond. Mars wird ein Objekt der zweiten Nachthälfte, wir finden ihn ab Mitternacht gut sichtbar am Südosthimmel. Am 12. Juli trifft er sich mit dem abnehmenden Mond. Die beiden Riesenplaneten Jupiter und Saturn stehen am tiefen Südosthimmel relativ nahe beieinander. Sie befinden sich der Sonne am Himmel genau gegenüber, man kann sie daher ab etwa 22:30 Uhr bis zum Verblassen in der Morgendämmerung am tiefen Südosthimmel beobachten.

Die dominierenden Sommersternbilder Schwan, Adler und Leier stehen nun hoch am Südhimmel. Etwas westlich der hellen Wega, Hauptstern in der Leier, sieht man das markante Quadrat des Herkules und noch weiter westlich glänzt der Arktur, Hauptstern im Sternbild Bootes oder auch Rinderhirte. Der Große Wagen ist an den Nordwesthimmel gewandert, während über den Himmelsnordpol hinweg am Nordosthimmel das Himmels-W, die Kassiopeia zu sehen ist.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
Dazu die Vorschau veröffentlicht im TIP am Sonntag,  im Beig Verlag:

 

 

Der Sternenhimmel im Juni 2020

Corona (lat.: Krone) beherrscht zur Zeit mit seinen unerfreulichen Begleiterscheinungen das öffentliche Leben. Am Himmel findet man gleich zwei Kronen, die, im Gegensatz zu den irdischen Viren, völlig harmlos sind. Es sind die Sternbilder Nördliche Krone (lat.: Corona Borealis) und die Südliche Krone (lat.: Corona Australis). Die Nördliche Krone ist ein relativ unscheinbares Sternbild; man findet dessen halbkreisförmig angeordnete Sternenkette zwischen den Sternbildern Bärenhüter und Herkules. Das Sternbild war schon in der Antike bekannt; nach der griechischen Mythologie ist es wegen seines halbkreisförmigen Aussehens die Krone der Ariadne, Tochter des Königs Minos von Kreta. Dementsprechend heißt der 76 Lichtjahre entfernte Hauptstern auch Gemma (lat.: Edelstein). Das in seiner Konfiguration gleich aussehende halbkreisförmige Gegenstück am Südhimmel, die Südliche Krone, war ebenfalls bereits in der Antike bekannt. Sie ist allerdings von Mitteleuropa aus nicht sichtbar.

Am 20. Juni um 23:44 Uhr tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs. Dieser Zeitpunkt ist zugleich der Beginn des astronomischen Sommers. Zwölf Stunden später wechselt die Sonne vom Sternbild Stier in das Sternbild Zwillinge. Am 5. Juni haben wir Vollmond, am 13. Juni abnehmenden Halbmond, am 21. Juni Neumond und am 28. Juni zunehmenden Halbmond. In der ersten Juniwoche kann man den flinken Merkur ab etwa 22:00 Uhr sehr horizontnah am Nordwesthimmel für etwa 20 Minuten erspähen. Frühaufsteher können ab der zweiten Junihälfte unseren Nachbarplaneten Venus am tiefen Nordosthorizont vor Sonnenaufgang als Morgenstern ausmachen. Am 19. Juni trifft sie gegen 5:00 Uhr auf die schmale Mondsichel und ab 9:50 Uhr wird sie – leider am Tageshimmel, daher unsichtbar – für eine Stunde vom Mond bedeckt. Der rote Mars wird nach seinen Aufgängen am Südosthimmel eine Stunde nach Mitternacht ebenfalls ein Objekt für die zweite Nachthälfte. Jupiter und Saturn gehen auch nach Mitternacht am Südosthimmel auf. Sie wandern zum Südwesthimmel, bis sie in der aufkommenden Morgendämmerung allmählich verblassen.

Deneb, der Hauptstern des Schwans, bildet mit Wega, Hauptstern der Leier, und mit Atair, Hauptstern des Adlers, am hohen Südosthimmel die Figur des Sommerdreiecks. Ein dunkler, mondloser Himmel gibt am 21. Juni Gelegenheit, am hohen Südhimmel, ziemlich zenitnah,  die gebogene Sternenkette der Nördlichen Krone auszumachen. Während am Nordwesthimmel der Große Wagen, dessen Deichsel genau nach Süden zeigt, nicht zu übersehen ist, finden wir am Nordosthimmel das Himmels-W, die Kassiopeia.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de
Dazu die Vorschau veröffentlicht im TIP am Sonntag,  im Beig Verlag:

 

Der Sternenhimmel im Mai 2020

Dreißig Jahre im All. Am 24. April 1990 brachte die NASA-Raumfähre Discovery das sechs Mrd. US-Dollar teure Weltraumteleskop Hubble (Namensgeber ist der amerikanische Astronom Edwin P. Hubble) in eine Umlaufbahn um die Erde. Seitdem umkreist das 11,6 Tonnen schwere, 13,1 Meter lange und 4,3 Meter durchmessende Teleskop in 545 Kilometer Höhe unseren Globus. Die ersten Bilder waren jedoch eine große Enttäuschung: Ein Fehler beim Schliff des 2,4 Meter großen Hauptspiegels hatte unscharfe verwaschene Bilder zur Folge, Hubble war optisch „kurzsichtig“. Im Dezember 1993 wurde im Zuge einer Wartungsmission dem Teleskop eine „Brille“ angepaßt. Seitdem liefert es gestochen scharfe Bilder aus dem All. Die Beobachtungszeit an dem Teleskop ist bei den Berufsastronomen sehr begehrt; es gehen zweieinhalb mal mehr Wünsche bei der NASA ein als zur Verfügung gestellt werden können. Weil das Shuttle-Programm 2011 eingestellt wurde, können auch keine Wartungsmissionen mehr durchgeführt werden. Die NASA hofft, dass das fliegende Auge im All noch mindestens bis zum Jahr 2024 für astronomische Forschungen genutzt werden kann.

Am 14. Mai wechselt die Sonne vom Sternbild Widder in das Sternbild Stier, und für die Horoskopleser tritt sie am 20. Mai in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Am 7. Mai haben wir Vollmond, am 14. Mai abnehmenden Halbmond, am 22. Mai Vollmond und am 30. Mai zunehmenden Halbmond. Bei guten Sichtbedingungen kann man den flinken Merkur am 16. Mai am tiefen Nordwesthorizont gegen 21:30 Uhr auffinden. Die Venus verabschiedet sich aus der westlichen Abendsichtbarkeit, nach dem 28. Mai wird sie nicht mehr zu sehen sein. Der rote Mars wird ein Objekt für den tiefen südöstlichen Morgenhimmel. Seine Aufgänge verlagern sich von 3:30 Uhr am Monatsanfang auf 2:30 Uhr am Monatsende. Am 15. Mai zieht der abnehmende Halbmond in fünf Grad Abstand südlich an ihm vorbei. Die beiden Großplaneten Jupiter und Saturn findet man den ganzen Monat über mit fünf Grad Abstand voneinander während der zweiten Nachthälfte am tiefen Südosthimmel, bis sie in der aufziehenden Morgendämmerung unsichtbar werden.

Das Frühlingssternbild Löwe ist in den Südwesthimmel gewandert, während die Zwillinge sich am Westhorizont verabschieden. Am hohen Südhimmel leuchtet der helle Arktur, Hauptstern im Bärenhüter. Am Nordosthimmel künden die Sternbilder Leier und Schwan mit ihren Hauptsternen Wega und Deneb bereits den Sommer an. Genau senkrecht über dem Beobachter findet man im Zenit die Deichsel des Großen Wagens, während am tiefen Nordhimmel das Himmels-W, die Kassiopeia zu sehen ist.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im April 2020

Alle Sterne, die wir am Himmel sehen, gehören ausnahmslos zu unserer Galaxis, der Milchstraße. Größere bewegliche Objekte am Himmel sind in der Regel Mitglieder unseres Sonnensystems, d.h. sie sind gravitativ an die Sonne gebunden. Es handelt sich um Planeten, Asteroiden und Kometen. Am 19. Oktober 2017 wurde am Pan-STARRS-Teleskop auf Hawaii ein Objekt entdeckt, das umfangreichen Bahnberechnungen zufolge eindeutig kein Mitglied des Sonnensystems ist. Das etwa 200 bis 400 Meter lange zigarrenförmige Objekt erhielt den Namen 1I/‘Oumuamua (hawaiisch, im übertragenen Sinn: „erster stellarer Bote“), wobei die Bezeichnung 1I als Klassifizierung das erste interstellare Objekt kennzeichnet. Am 30. August 2019 entdeckte der russische Amateurastronom Gennadij Borisov einen Kometen, dessen Flugbahn ebenfalls auf einen Besucher aus der Sternenfülle unserer Milchstraße hinwies. Entsprechend seiner interstellaren Herkunft erhielt er den Namen nach seinem Entdecker: 2I/Borisov. Beide interstellaren Objekte waren sozusagen nur auf der Durchreise; sie sind längst wieder in den Tiefen der Galaxis verschwunden, und wir werden sie nie wieder sehen können.

Am 18. April tritt die Sonne in das Sternbild Widder und einen Tag später in das Tierkreiszeichen Stier. Am 1. April haben wir zunehmenden Halbmond, am 8. April Vollmond, am 14. April abnehmenden Halbmond und am 23. April Neumond. Der flinke Merkur steht im April in relativer Sonnennähe und ist daher unbeobachtbar. Die helle Venus hingegen ist als strahlendes Objekt den ganzen Monat über am hohen westlichen Himmel bereits am späten Nachmittag zu sehen. Am 3. April berührt sie den südlichen Teil des Siebengestirns, die Plejaden. Fernglasbeobachter sollten sich das nicht entgehen lassen. Am Monatsanfang ist am tiefen Südosthorizont in der beginnenden Morgendämmerung unter der Voraussetzung eines offenen Himmels die Planetendreiergruppe Mars, Saturn und Jupiter zu sehen. Am 16. April gesellt sich der abnehmende Halbmond zu dieser Gruppe. Auch bei dieser Konstellation lohnt sich ein Blick durch das Fernglas.

Das Wintersternbild Orion verläßt nun den Westhimmel, die Zwillinge neigen sich ebenfalls dem Westhorizont zu. Das Frühlingssternbild Löwe steht hingegen hoch am Südhimmel. Sein Hauptstern Regulus (Königsstern) bildet mit dem Stern Spica (Kornähre) in der Jungfrau und dem Hauptstern Arktur im Bootes (Bärenhüter) das sog. Frühlingsdreieck. Im Zenit, senkrecht über dem Beobachter, sehen wir den Großen Wagen als Teil des Sternbildes Großer Bär, während am tiefen Nordhimmel noch das Himmels-W, die Kassiopeia, auszumachen ist.

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Lutz Zimmermann, RVST e.V., www.sternwarte-tornesch.de

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Der Sternenhimmel im März 2020

Unsere kosmische Heimat ist ein Karussell mit Namen Erde. Bekanntlich dreht sich unser Planet einmal täglich um seine Achse, d.h. nach 24 Stunden haben wir den gleichen Himmelsanblick wie am Tag zuvor. Genaugenommen dauert eine 360-Grad-Umdrehung aber nur 23 Stunden 56 Minuten und 4 Sekunden. Die fehlenden knapp 4 Minuten sind dem täglichen Weiterlauf der Erde um die Sonne geschuldet, weil nämlich erst nach dieser Zeitspanne der gleiche Himmelsanblick wie am Vortage zu sehen ist. Alle Planeten, gesehen von der Nordseite der Planetenebene, der sog. Ekliptik, rotieren gegen den Uhrzeigersinn sowohl um ihre Achsen wie auch um die Sonne, die sich in gut 25 Tagen im gleichen Drehsinn einmal um sich selbst dreht. Zusätzlich zu diesen Rotationen, jetzt aber im Uhrzeigersinn, wandert das ganze Sonnensystem mit all seinen Mitgliedern mit einer Geschwindigkeit von 240 km/Sek. in etwa 210 Millionen Jahren einmal um das 27.000 Lichtjahre entfernte Zentrum der 100.000 Lichtjahre durchmessenden Milchstraße. Sie selbst  gehört mit weiteren etwa 60 Mitgliedern zur sog. Lokalen Gruppe von Galaxien, die ihrerseits zu einer „Virgo-Superhaufen“ genannten Ansammlung von 100 bis 200 solcher Gruppen gehört.

Am 12. März geht die Sonne in das Sternbild Fische, und am 20. März um 4:50 Uhr passiert sie mit dem Übertritt in das Tierkreiszeichen Widder den Frühlingspunkt, es ist Frühlingsanfang.  Ab dem 29. März werden die Uhren wieder mit Beginn der Sommerzeit um eine Stunde vorgestellt. Am 2. März haben wir zunehmenden Halbmond, am 9. März Vollmond, am 16. März abnehmenden Halbmond und am 24. März Neumond. Merkur bleibt den ganzen Monat über unter dem Horizont und ist daher nicht sichtbar. Unser Nachbarplanet Venus steht als helles Objekt am westlichen Abendhimmel, gegen Monatsende geht der Planet unter Berücksichtigung der Sommerzeit erst nach Mitternacht unter. Mars ist ein Objekt für den Morgenhimmel. Man findet ihn am südöstlichen Horizont. Am 20. März kann man ihn in unmittelbarer Nachbarschaft zusammen mit dem Gasriesen Jupiter in der Morgendämmerung beobachten. Ein wenig westlich (links) dieses Zusammentreffens gesellt sich der Ringplanet Saturn dazu.

Das Frühlingssternbild Löwe steht nun hoch am Südosthimmel, während das Wintersternbild Orion zum Nordwesthimmel wandert. Der Stier und mit ihm das Siebengestirn Plejaden stehen am Westhimmel. Die Zwillinge mit den zwei Hauptsternen Kastor und Pollux findet man etwas südwestlich vom Zenit, gegenüber im gleichen Abstand nordöstlich den Großen Wagen.

Lutz Zimmermann, RVST e.V., www.sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im Februar 2020

Im Februar steigt nach Sonnenuntergang am Südosthimmel das dominierende Wintersternbild des Himmelsjägers Orion auf. Seine drei Gürtelsterne sind zum Aufsuchen ein gutes Orientierungsmerkmal. Der 640 Lichtjahre entfernte linke Schulterstern des Orion mit Namen Beteigeuze ist ein besonderer Stern. Schon mit bloßem Auge fällt seine rötliche Färbung auf. Er hat etwa die zwanzigfache Sonnenmasse und darüber hinaus eine gewaltige Ausdehnung. Stünde er an Stelle der Sonne, ginge sein Radius bis zur Jupiterbahn. Seine Leuchtkraft vom 50.000fachen der Sonne läßt ihn am Himmel besonders hell erscheinen. Beteigeuze ist ein sog. Roter Riese und damit ein potentieller Kandidat für eine Supernova. Er ist überdies der erste Stern, dessen Durchmesser gemessen werden konnte, alle anderen sichtbaren Sterne werden auch in den größten Teleskopen nur punktförmig abgebildet. Es stellte sich heraus, dass Beteigeuze mit einer halbregelmäßigen Periode von 2070 Tagen ein sog. Pulsationsveränderlicher ist. Dabei schwankt sein durchschnittlicher Durchmesser periodisch um etwa 15 Prozent.

Am 17. Februar tritt die Sonne in das Sternbild Wassermann und für die Horoskopleser wechselt sie am 19. Februar in das Tierkreiszeichen Fische. Am 2. Februar haben wir zunehmenden Halbmond, am 9. Februar Vollmond, am 15. Februar abnehmenden Halbmond und am 23. Februar Neumond. Vom 5. bis zum 15. Februar kann man den flinken Merkur gegen 18:00 Uhr für etwa eine Viertelstunde am West-Süd-West-Horizont erspähen. Unser Nachbarplanet Venus ist am Westhimmel den ganzen Monat über als strahlender Glanzpunkt nicht zu übersehen. Venus geht am Monatsende erst gegen 22:00 Uhr unter. Der rote Planet Mars ist ein Objekt für die Morgenstunden. Man findet ihn am Osthimmel ab etwa 5:30 Uhr bis zum Dämmerungsende gegen 7:00 Uhr. Der Gasriese Jupiter steigt am Monatsanfang gegen 7:15 Uhr fast genau über dem Südostpunkt über die Horizontlinie. Zum Monatsende geht er bereits gegen 5:45 Uhr auf. Der Ringplanet Saturn ergänzt am Monatsende als linkes Objekt eine Dreierkette Saturn-Jupiter-Mars am tiefen Südosthorizont.

Der Winterhimmel präsentiert etliche schöne Sternbilder. Am Osthorizont kündigt der Löwe den Frühling an. Im Zenit sehen wir die Zwillinge mit ihren zwei hellen Sternen Kastor und Pollux, während am Südosthimmel der Himmelsjäger Orion über das Firmament zieht. Am Nordosthimmel sehen wir den Großen Wagen, ihm gegenüber über den Himmelsnordpol hinweg das Himmels-W, die Kassiopeia. Nordwestlich über dem Orion erkennt man den Stier mit dem hellen Aldebaran, und ein Stück weiter nördlich unterhalb der Kassiopeia das Sternbild Perseus.

Lutz Zimmermann, RVST e.V

 

Der Sternenhimmel im Januar 2020

Nachdem zu Beginn des 17. Jhdts. Johannes Kepler (1571-1630) herausgefunden hatte, dass die Planetenbahnen nicht kreisförmig, sondern Ellipsen sind, konnten die Astronomen mit diesen Kepler-Gesetzen und mit Isaac Newtons (1642-1727) Gravitationsgesetz die Bahnbewegungen und Standorte der Planeten sehr genau beschreiben und vorausberechnen. Der kürzeste Entfernungspunkt eines Planeten von der Sonne, das sog. Perihel, beschreibt dabei in sehr langen Zeiträumen einen Kreis um die Sonne, die sog. Perihel-Drehung. Das konnte man bei allen Planeten sehr genau berechnen – nur die Bahn des Merkur wich von der theoretischen Kepler-Ellipse ab. Der französische Mathematiker Urbain LeVerrier (1811-1877) hatte 1846 aus Bahnabweichungen des 1781 von Herschel (1738-1822) entdeckten Uranus den Standort des bis dahin unbekannten Planeten Neptun berechnet. Daher vermutete LeVerrier, dass die Ursache der Bahnstörung des Merkur ebenfalls von einem Planeten noch innerhalb der Merkurbahn zu suchen sei. Dieser unbekannte hypothetische Planet mit Namen Vulkan wurde aber nie gefunden. Erst Albert Einsteins (1879-1955) Allgemeine Relativitätstheorie konnte 1915 die Abweichung von der Theorie überzeugend erklären.

Die Sonne wechselt am 20. Januar vom Sternbild Schütze in das Sternbild Steinbock und für die Horoskopleser geht sie am gleichen Tag in das Tierkreiszeichen Wassermann. Unser Erdtrabant zeigt sich im Januar folgendermaßen: Am 3. Januar als zunehmender Halbmond, am 10. Januar als Vollmond, am 17. Januar als abnehmender Halbmond und am 24. Januar als Neumond. Mit den Planetensichtbarkeiten sieht es in diesem Monat nicht gut aus. Man kann nur zwei von ihnen sehen. Merkur steht in Sonnennähe am Tageshimmel und ist somit nicht sichtbar. Venus ist den ganzen Monat über am Südwesthimmel als heller Abendstern bis zu ihren Untergängen gegen 19:15 Uhr am Monatsanfang und 20:45 Uhr am Monatsende zu sehen. Der Mars läßt sich am morgendlichen Südost- bis Südhimmel in tiefer Horizontnähe bis Sonnenaufgang ausmachen. Jupiter und Saturn befinden sich am Tageshimmel und sind daher nicht sichtbar.

Das Wintersternbild Orion zeigt sich am Südosthimmel in seiner ganzen Pracht. Ein Blick mit dem Fernglas unterhalb der Gürtelsterne offenbart den Orionnebel als eine helle Fläche. Oberhalb des Orion findet man den Stier mit dem hellen Aldebaran, und in Richtung Osthimmel erkennt man die Zwillinge. Am tiefen Osthorizont kündigt sich bereits der Löwe als Frühlingssternbild an, während man am Nordosthimmel den Großen Wagen nicht übersehen kann.

Lutz Zimmermann, RVST e.V.

 

Der Sternenhimmel im Dezember 2019

Alle Sterne (und auch die Sonne und die Planeten) geben elektromagnetische Wellen ab. Neben den Lichtwellen (die einzigen Wellen, die wir sehen können) gehören dazu auch Radiowellen. Kosmische Dunkelwolken und Staubansammlungen sind für Lichtwellen undurchdringlich, für Radiowellen sind sie dagegen kein Hindernis. Die dazu notwendigen Empfangsgeräte nennt man Radioteleskope. Weil Radiowellen größere Wellenlängen als Lichtwellen haben, müssen auch die Empfangsflächen der Radioteleskope größere Flächen gegenüber den Lichtteleskopen haben. Eines der größten Radioteleskope auf der Welt mit 300 Metern Durchmesser ist das 1963 fertggestellte, in einen natürlichen Talkessel eingebettete Radioteleskop von Arecibo auf der Insel Puerto Rico in der Karibik. Aufgrund der unbeweglichen Empfangsfläche kann mit einer beweglichen Antenneneinheit aber nur ein beschränkter Himmelsausschnitt in Zenitnähe beobachtet werden. Seit September 2019 steht den Radioastronomen das in Guizhou (Südwest-China) mit 520 Meter Durchmesser flächenmäßig größte Radioteleskop der Welt zur Verfügung. Mit seinem verformbaren Hauptspiegel kann ein wesentlich größeres Himmelsareal als mit dem Arecibo-Teleskop  erforscht werden.

Am 18. Dezember wechselt die Sonne in das Sternbild Schütze, und am 22. Dezember tritt sie in das Tierkreiszeichen Steinbock. Dies ist zugleich um 5:19 Uhr mit der Wintersonnenwende der astronomische Winteranfang. Von nun an werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Am 4. Dezember haben wir zunehmenden Halbmond, am 12. Dezember Vollmond, am 19. Dezember abnehmenden Halbmond und am 26. Dezember Neumond. An diesem Tag ist in Asien eine ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen. Venus kann man in der späten Abenddämmerung gegen 17:00 Uhr am tiefen Südwesthorizont ausmachen. Mars sieht man ab 6:00 Uhr bis Sonnenaufgang am tiefen Südosthimmel. Am 23. zieht der Mond in nur vier Grad Abstand am roten Planeten vorbei. Der Gasriese Jupiter steht unter dem Horizont und ist daher nicht sichtbar. Der Ringplanet Saturn ist mit guter Sicht noch bis Monatsmitte am tiefen Südwesthorizont zu erspähen. Am 11. Dezember trifft er in nur einem Grad Abstand auf die Venus.

Sechs helle Sterne bilden am westlichen Himmel das sog. Wintersechseck: Capella im Fuhrmann, dann weiter gegen den Uhrzeigersinn Pollux in den Zwillingen, Procyon im Kleinen Hund, Sirius im Großen Hund, Rigel im Orion und Aldebaran im Stier. Daneben gibt es auch das Winterdreieck, bestehend aus Procyon, Sirius und Beteigeuze, dem linken Schulterstern des Orion.

Lutz Zimmermann, RVST e.V.; www.sternwarte-tornesch.de

Der Sternenhimmel im November 2019

Diesen Monat bietet uns der Himmel ein relativ seltenes Schauspiel: am 11. November zieht Merkur, der sonnennächste und zugleich kleinste aller acht Planeten von 13:35 Uhr bis 19:04 Uhr über die leuchtende Sonnenscheibe. Dieser Merkurtransit ist allerdings in Mitteleuropa nur bis zum Sonnenuntergang etwa gegen 16:30 Uhr zu verfolgen. Im 21. Jahrhundert gibt es nur 14 Merkurtransite, der nächste findet erst wieder am 13. November 2032 statt. Weil die Beobachtungsmöglichkeiten des Merkur in der Morgen- oder Abenddämmerung selten mehr als eine halbe Stunde dauern, ist so ein Transit die einzige Möglichkeit, den kleinen Planeten über mehrere Stunden zu beobachten. Jedoch sind während des Transits nur seine unbeleuchtete sonnenabgewandte Rückseite und damit keine Oberflächenmerkmale sichtbar. Er wandert dann als pechschwarzer kreisrunder Fleck, auch Neumerkur (wie Neumond) genannt, über die helle Sonnenscheibe. Weil zur Zeit des Transits sein Durchmesser etwa 194mal kleiner als der Sonnendurchmesser ist, kann man ihn ohne optische Hilfsmittel mit dem bloßen Auge nicht verfolgen. Unbedingt beachten: Nur mit geeignetem Sonnenschutz vor den Augen (Sonnenbrille reicht nicht!!!) in die Sonne schauen! Erblindungsgefahr!

Für die Horoskopleser beginnt am 22. November das Tierkreiszeichen Schütze. Am 23. November wandert die Sonne in das Sternbild Skorpion. Den Mond sehen wir am 4. November als zunehmenden Halbmond, am 12. November als Vollmond und am 19. November als abnehmenden Halbmond. Am 26. November ist er als Neumond nicht sichtbar. Merkur ist etwa vom 23. November bis zum 3. Dezember zwischen 6:30 Uhr und 7:00 Uhr am tiefen Südosthimmel zu sehen. Am 24. November gesellt sich der Mars und die schmale abnehmende Mondsichel am gleichen Ort dazu. Unseren Nachbarplaneten Venus und den Gasriesen Jupiter finden wir in der Abenddämmerung in enger Nachbarschaft am tiefen Südwesthimmel. Etwas höher und cirka 15 Grad westlich (links) dieses Treffens ist der Ringplanet Saturn über dem Horizont zu sehen.

Die Sommersternbilder Schwan, Adler und Leier wandern zum Westhimmel, während am Osthimmel schon die Wintersternbilder Zwillinge und Orion auftauchen. Genau senkrecht über dem Beobachter, im Zenit, steht unsere Nachbargalaxie, der Andromedanebel. Ohne störendes Mondlicht, weil Neumond, ergibt sich gegen Monatsende dafür die beste Beobachtungsmöglichkeit. Schon ein kleines Fernglas macht sie sichtbar. Ein Stück darüber findet man das Himmels-W, die Kassiopeia und am tiefen Nordhorizont den Großen Wagen.

Der Sternenhimmel im Oktober 2019

Europa ist nicht nur der Kontinent, auf dem wir leben, sondern auch der Name des kleinsten der vier Galileischen Monde des Jupiter. Der 3121 km durchmessende Mond umkreist den Gasriesen in etwas mehr als dreieinhalb Tagen. Dabei wendet Europa Jupiter immer die gleiche Seite zu; er hat, wie unser Mond, eine gebundene Rotation. Seine Minus 160 Grad Celsius kalte Oberflächenschicht ist etwa 17 bis 20 km dick und besteht aus Eis. Als die 1989 von der NASA gestartete Sonde GALILEO nach sechsjähriger Flugzeit das Jupitersystem erreichte, entdeckte sie auf Europa ein Magnetfeld. Gleichzeitig ermittelte sie, dass der Mond mehr Energie abgibt, als er von der Sonne empfängt. Ursache ist die gewaltige Gezeitenreibung, die der Gasriese Jupiter mit seiner Gravitation auf den kleinen Mond ausübt, er wird regelrecht durchgewalkt. Die dadurch entstehende Wärme hat zur Folge, dass unter der Eisdecke flüssiges Wasser vorhanden ist. Weil es, außer auf der Erde und dem Mond Europa, nach derzeitigem Wissensstand im ganzen Sonnensystem nirgendwo flüssiges Wasser gibt, könnte sich dort Leben entwickelt haben, ähnlich dem, wie man es in der Umgebung von irdischen unterseeischen Thermalquellen, den sog. Schwarzen Rauchern, vorfindet.

Am 23. Oktober tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen Skorpion und am 31. Oktober in das Sternbild Waage. Am 5. Oktober haben wir zunehmenden Halbmond, am 13. Oktober Vollmond, am 21. Oktober abnehmenden Halbmond und am 28. Oktober Neumond. In der Nacht vom 26. zum 27. Oktober endet die Sommerzeit, die Uhren werden wieder um eine Stunde zurückgestellt. Die Merkurbahn verläuft in den Oktobernächten unter dem Horizont, der Planet ist daher nicht sichtbar. Venus befindet sich in den Oktoberabenden zwar noch knapp über dem Westhorizont, sie ist aber in der hellen Dämmerung nicht auszumachen. Mars bewegt sich in etwa 15 Grad Abstand westlich von der Sonne, das ist zu hell für eine Sichtbarkeit. Mit dem Gasriesen Jupiter haben wir mehr Glück, er ist am tiefen Südwesthorizont gegen 18:00 Uhr für etwa eine Stunde bis zu seinem Untergang zu beobachten. Den Ringplaneten Saturn finden wir ebenfalls am tiefen Südwesthimmel, man kann ihn bis etwa 21:30 Uhr bis zu seinem Untergang verfolgen.

Die Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler wandern zum Westhimmel, während am Osthimmel das Herbststernbild Stier auftaucht. Am hohen Südhimmel ist das Herbstviereck, bestehend aus vier Sternen des Sternbildes Pegasus, zu sehen. Im Zenit, senkrecht über dem Beobachter, finden wir das Himmels-W, die Kassiopeia, und am tiefen Nordhorizont zieht der Große Wagen, Teil des Sternbildes Großer Bär, seine Bahn.

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Der Sternenhimmel im September 2019

Die gesamte stoffliche Welt – zu der auch wir Menschen zählen – setzt sich aus 92 natürlichen Elementen zusammen, angefangen mit Nummer eins, dem Wasserstoff und endend mit Nummer 92, dem Uran. Diese Elemente werden teilweise im Inneren von Sternen durch Kernfusion erzeugt. Dabei werden leichtere Atomkerne zu immer schwereren verschmolzen. Die Fusionskette beginnt mit Wasserstoff, sie geht weiter zu Helium, Kohlenstoff, Sauerstoff, Neon, Silizium. Bei Nummer 26, dem Eisen, ist Schluß, schwerere Elemente kann ein Stern nicht erzeugen, seine Energie reicht dazu nicht mehr aus. Hat ein Stern das Eisenstadium erreicht, kollabiert seine Gashülle, er stürzt unter seiner eigenen Schwerkraft zusammen. Der Stern explodiert, und es entsteht eine Supernova. Dabei wird eine ungeheure Menge Energie frei, die groß genug ist, um die restlichen 66 Elemente zu bilden, die dann mit der expandierenden Gashülle in die Umgebung geblasen werden. Aus diesem Elementenmix entstehen wieder neue Sterne wie unsere Sonne und mit ihnen Planeten und im Falle der Erde auch wir Menschen. Ohne Sternentod gäbe es uns gar nicht.

Am 17. September tritt die Sonne in das Sternbild Jungfrau, und am 23. September um 9:50 Uhr wechselt sie in das Tierkreiszeichen Waage. Das ist zugleich der Beginn des astronomischen Herbstes, ab jetzt werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. Am 6. September haben wir zunehmenden Halbmond, am 14. September Vollmond, am 22. September abnehmenden Halbmond und am 28. September Neumond. Die Merkurbahn verläuft im September unterhalb des Horizonts, der Merkur ist daher nicht sichtbar. Unser Nachbarplanet, die Venus, steht – von der Erde aus gesehen – hinter der Sonne am Tageshimmel, sie ist daher ebenfalls nicht zu sehen. Mit dem Mars verhält es sich ebenso, auch er steht am Tageshimmel und ist daher ebenfalls nicht zu beobachten. Der Riesenplanet Jupiter ist nur noch in der ersten Nachthälfte zu sehen. Am Monatsanfang geht er gegen 23:40 Uhr unter, am Monatsende bereits gegen 21:00 Uhr. Der Ringplanet Saturn ist ebenfalls nur in der ersten Nachthälfte sichtbar, zum Monatsende geht er gegen 23:30 Uhr im Südwesthorizont unter.

Das Sommerdreieck am Südwesthimmel, bestehend aus den Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler, rückt weiter nach Westen, während das markante Viereck des Pegasus hoch am Südhimmel zu erkennen ist. Der Große Wagen steht tief am Nordhimmel, ihm gegenüber, über den Polarstern hinweg, sieht man das Himmels-W, die Kassiopeia. Besitzer eines Fernglases können bei ausreichender Dunkelheit etwas unterhalb dieses Sternbildes unsere  zweienhalb Millionen Lichtjahre entfernte Nachbargalaxis, den Andromedanebel, erspähen.

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Der Sternenhimmel im August 2019

Iapetus ist der drittgrößte der über 60 bekannten Monde des Ringplaneten Saturn. Der etwa 1490 km durchmessende und aus Eis bestehende Trabant wurde am 25. Oktober 1671 an der königlichen Sternwarte von Paris von dem italienisch-französischen Astronomen Dominique Cassini (1625-1712) entdeckt. Als nach einer sechstägigen Bewölkung der Himmel wieder klar wurde, war der Mond jedoch nicht mehr auffindbar. Erst am 6. Februar 1673 sah ihn Cassini wieder, und mit weiteren Beobachtungen errechnete er eine Umlaufzeit um den Saturn von 80 Tagen und eine Eigenrotation der gleichen Länge. 1677 beschrieb Cassini eine Eigentümlichkeit des Saturnbegleiters: Befindet sich der Mond östlich (links) des Saturn, so ist er für fast einen Monat unsichtbar, westlich (rechts) des Planeten hingegen strahlt er sehr hell. Dieses Phänomen konnte erst Anfang des 21. Jhdts. hinreichend geklärt werden. Wegen seiner gebundenen Rotation befindet sich immer dieselbe Oberflächenregion in Umlaufrichtung „vorne“ wie der Bug eines Schiffes. Diese Region ist es, die man von der Erde aus sieht, wenn sich Iapetus östlich vom Saturn befindet. Auf der „Bugseite“ kollidierende Mikrometeorite und Staub haben Erosionen zur Folge, wobei durch chemische Prozesse u.a. dunkles kohlenstoffhaltiges Material freigelegt wird. Dies hat dann die extreme Dunkelfärbung und damit Unsichtbarkeit zur Folge.

Am 11. August tritt die Sonne in das Sternbild Löwe und am 23. August in das Tierkreiszeichen Jungfrau. Der Mond zeigt folgende Phasen: am 7. August zunehmender Halbmond, am 15. August Vollmond, am 23. August abnehmender Halbmond und am 30. August Neumond. Merkur ist am Monatsende gegen 4:30 Uhr am tiefen Osthimmel für ein paar Minuten vor Sonnenaufgang auszumachen. Venus befindet sich in Sonnennähe am Tageshimmel und ist daher nicht zu sehen. Mars geht in der noch hellen Abenddämmerung unter und ist daher ebenfalls unsichtbar. Jupiter ist am Süd- bzw. Südwesthimmel von Sonnenuntergang bis gegen Mitternacht der dominierende Planet. Der Ringplanet Saturn ist von Sonnenuntergang bis gegen 3:00 Uhr am tiefen Südhimmel sichtbar.

Alle Jahre wieder kreuzt die Erde Mitte August den Meteorstrom der Perseiden. Am 13. August sollte man in den Stunden nach Mitternacht Sternschnuppen am hohen Nordosthimmel sehen können. Sie kommen scheinbar aus dem namengebenden Sternbild Perseus. Leider wird die Beobachtungsfreude durch das Licht des immer voller werdenden Mondes getrübt, so dass nur die hellsten Meteore zu sehen sind. Wenn bei zu hellem Himmel die Perseiden nicht auszumachen sind, ist auch das Sommerdreieck Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler am hohen Südhimmel ein schöner Anblick.

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Der Sternenhimmel im Juli 2019

Direkte Beobachtung der Sonne mit ungeschützten Augen haben Augenschäden bis hin zur Erblindung zur Folge. Um dennoch unser Tagesgestirn visuell studieren zu können, versieht man Teleskope mit geeigneten Filtern. So blendet z.B. ein sog. H-alpha-Filter bis auf einen winzigen Rotanteil das Sonnenlicht total aus, man sieht in so einem Teleskop die Sonne in einem dunklen intensiven Rot. Diese Methode macht es möglich, die Sonne ohne Augenschäden zu beobachten. Aufgrund des äußerst aktiven und sehr komplexen Magnetfeldes der Sonne sieht man am Sonnenrand ab und zu meist bogenförmige und manchmal mehrere hundertausend Kilometer lange Bögen und bis zu 40.000 km sich über den Sonnenrand erhebende Plasmaauswürfe, die sog Protuberanzen. Es kann dabei Materie mit bis zu 1.000 km pro Sekunde von der Sonne weggeschleudert werden. Erreichen solche Teilchen nach zwei bis vier Tagen die Erde, sehen wir vermehrt Polarlichter. Beobachtet man solche Materieauswürfe auf der Sonnenoberfläche, so erscheinen sie wegen ihrer niedrigeren Temperatur als dunkle Fäden oder gewundene Linien. Hier nennt man sie jedoch Filamente.

Die Sonne wechselt am 21. Juli vom Sternbild Zwillinge in das Sternbild Krebs, und für die Horoskopleser tritt sie am 23. Juli in das Tierkreiszeichen Löwe. Am 2. Juli haben wir Neumond; in Südamerika ist an diesem Tag eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Am 9. Juli haben wir zunehmenden Halbmond. Am 16. Juli tritt der Vollmond gegen 22:00 Uhr in den Kernschatten der Erde, das ist der Beginn einer partiellen Mondfinsternis; gegen 23:30 Uhr sind dann 66 % der Mondscheibe im Erdschatten, und gegen 1:00 Uhr ist die partielle Mondfinsternis zu Ende. Am 25. Juli haben wir zunehmenden Halbmond. Die Planeten Merkur, Venus und Mars sind nicht zu beobachten: während Merkur und Venus sich in Sonnennähe befinden, zieht der Planet Mars unterhalb des Horizontes seine Bahn. Der Gasriese Jupiter ist von etwa 22:30 Uhr bis gegen 2:30 Uhr am tiefen Südwesthimmel gut zu sehen, am 14. Juli trifft er mit dem fast vollen Mond zusammen. Den Ringplaneten Saturn kann man die ganze Nacht am tiefen Südhimmel sehen.

Die klassischen Sommersternbilder stehen jetzt hoch am Südhimmel. Die hellen Sterne Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler bilden das markante Sommerdreieck. Am Osthimmel kann man das Viereck des Pegasus sehen. Der Große Wagen steht am tiefen Nordwesthimmel. Verlängert man die drei Deichselsterne nach Westen, trift man auf den hellen Arktur, den Hauptstern im Bootes. Dieses Sternbild wird auch Rinderhirte genannt.

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Der Sternenhimmel im Juni 2019

Der Planet Jupiter ist mit 143.000 km Äquatordurchmesser das größte Objekt in unserem Sonnensystem, welches mit  778 Mill. km Abstand die Sonne umkreist (Erde = 150 Mill. km). Ein Jupitertag dauert etwa 10 Stunden, ein Jupiterjahr hingegen nicht ganz 12 Erdenjahre. Seine Eigenmasse von etwa 318 Erdmassen entspricht knapp der 2,5fachen Masse aller anderen Objekte zusammen im Sonnensystem. Wegen seiner Größe ist er schon in einem Fernglas als Kugel zu sehen. Das reizvollste bei seinem Anblick sind seine im Jahr 1610 von Galileo Galilei (1564-1642) entdeckten und nach ihm benannten vier großen sog. Galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Wegen ihrer Bahnlage in der Jupiteräquatorebene und wegen ihrer relativ kurzen Umlaufzeiten (z.B. Io mit nur 1,77 Tagen) kann man neben wandernen Mondschatten auf der Jupiteroberfläche, Bedeckungen der Monde durch den Planetenkörper und Verfinsterungen der Monde durch den Jupiterschatten beobachten. Ein kleines Teleskop zeigt bereits Oberflächenmerkmale wie seine äquatorparallelen Wolkenbänder und auf der Südhalbkugel den sog. Großen Roten Fleck, ein seit Jahrhunderten bekannter Wirbelsturm.

Am 21. Juni um 17:54 Uhr MESZ tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs. Dies ist zugleich der Beginn des astronomischen Sommers. Am 22. Juni wechselt die Sonne in das Sternbild Zwillinge. Der Mond präsentiert sich folgendermaßen: 3. Juni Neumond, 10. Juni zunehmender Halbmond, 17. Juni Vollmond, 25. Juni abnehmender Halbmond. Merkur kann man mit Glück zwischen dem 9. und 14. Juni gegen 22:30 Uhr MESZ am tiefen Westhimmel erwischen. Die Sichtbarkeit der Venus als Morgenstern wird selbst mit guten Sichtbedingungen in der heller werdenden Morgendämmerung am tiefen Osthimmel immer schlechter. Mars geht ebenfalls in der Abenddämmerung am tiefen Westhimmel unter den Horizont, er ist ab dem 15. Juni nicht mehr auszumachen. Die beiden Gasplaneten Jupiter und Saturn sind im Juni die dominierenden Planeten. Jupiter ist ab etwa 22:00 Uhr MESZ und Saturn ab etwa Mitternacht am tiefen Südosthimmel die ganze Nacht sichtbar. Am 16. Juni gegen 22:30 Uhr MESZ begegnen sich Mond und Jupiter.

Juninächte sind kurz, die Sonne geht nicht sehr tief unter den Horizont. Richtig dunkel ist es nur von etwa 22:00 Uhr bis 2:00 Uhr. Das Sommerdreieck, bestehend aus den Sternen Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler, beherrscht den Südosthimmel. Das Frühlingssternbild Löwe verläßt den Himmel am Westhorizont. Die sieben hellen Sterne des Großen Wagens rücken vom Zenit an den Nordwesthimmel, während das Himmels-W, die Kassiopeia, am Nordosthimmel zu sehen ist.

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Der Sternenhimmel im Mai 2019

Jede Masse eines Körpers, z.B. die eines Sterns, hat Gravitationskräfte zur Folge. Je kleiner das Volumen bei gleicher Masse ist, umso stärker wirkt seine Gravitationskraft in Richtung zum Mittelpunkt dieses Körpers, d.h. der Körper wird komprimiert. Wirkt jedoch eine Kraft gleicher Größe, wie z.B. der Strahlungsdruck im Inneren des Sterns, gegen diese Richtung,  entsteht ein Gleichgewicht zwischen Gravitation und Strahlungsdruck. Die meisten Sterne  befinden sich annähernd in diesem stabilen Zustand. Im Kern des Sternes fusioniert Wasserstoff zu Helium, durch diesen Prozess steigt die Kerntemperatur rapide an. Unsere Sonne wird sich am Ende ihres Lebens dadurch zu einem Roten Riesen aufblähen und dann ihre äußere Gashülle abstoßen. Anschließend fällt der Rest in sich zusammen und die Sonne kollabiert zu einem Weißen Zwerg. Ist die Ursprungsmasse wesentlich größer als eine  Sonnenmasse, entsteht durch den Kollaps ein Neutronenstern von etwa 10 bis 20 km Durchmesser, jedoch mit der gleichen Ursprungsmasse. Ab etwa vierzigfacher Sonnenmasse wird daraus ein Schwarzes Loch, von dem weder Materie noch Strahlung und Licht entweichen können. Es ist damit zwar unsichtbar, es verrät sich aber durch seine gravitative Wirkung auf benachbarte Sterne und Gaswolken.

Am 14. Mai tritt die Sonne in das Sternbild Stier und am 21. Mai in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Am 4. Mai haben wir Neumond, am 12. Mai zunehmenden Halbmond, am 18. Mai Vollmond und am 26. Mai abnehmenden Halbmond. Der flinke Merkur befindet sich in Sonnennähe und ist daher nicht sichtbar. Die Venusaufgänge wandern im Laufe des Monats aus der östlichen Morgendämmerung in den Tageshimmel, unser innerer Nachbarplanet wird damit ebenfalls unsichtbar. Der rote Mars ist mit viel Glück und guter Sicht am tiefen Westhorizont bis etwa zur Monatsmitte zu sehen, danach verschwindet er in der Abenddämmerung. Der Gasriese Jupiter geht um die Monatsmitte gegen Mitternacht im Südosten auf und bleibt bis Monatsende ein Objekt der zweiten Nachthälfte. Am 21. Mai erhält er Besuch vom Mond. Der Ringplanet Saturn ist den ganzen Monat über gegen 4:30 Uhr am tiefen Südhimmel zu sehen; er hat am 23. Mai eine Begegnung mit dem Mond.

Das Frühlingssternbild Löwe wandert zum Westhimmel, und am Osthimmel tauchen die Sommersternbilder Schwan, Adler und Leier auf. Ihre hellen Hauptsterne Deneb, Atair und Wega bilden das markante Sommerdreieck. Etwas östlich von der Leier finden wir das Viereck des Herkules, und am Südhimmel dominiert das Sternbild Jungfrau. Der Große Wagen bleibt in Zenitnähe, und am tiefen Nordhorizont sehen wir das Himmels-W, die Kassiopeia.

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Der Sternenhimmel im April 2019

Alle Sterne, die wir am nächtlichen Himmel mit bloßem Auge sehen können, gehören ausnahmslos zu unserer Galaxis, der Milchstraße. Aber es gibt drei Ausnahmen. Das sind zum einen die nur am Himmel der Südhalbkugel zu sehenden zwei kleinen Satellitengalaxien unserer Milchstraße. Es handelt sich um die Große und die Kleine Magellansche Wolke (Entfernung 170.000 bzw. 200.000 Lichtjahre). Zum anderen kann man am Himmel der Nordhalbkugel bei optimalen Sichtverhältnissen (kein Vollmond, keine Lichtverschmutzung durch Großstadtbeleuchtung u.ä.) im Sternbild Andromeda ein schwach leuchtendes Nebelfleckchen sehen. Es ist die Andromedagalaxie, die mit ca. 2,5 Mill. Lichtjahre Abstand das entfernste Objekt am Himmel ist, das wir mit bloßem Auge noch sehen können. Der amerikanische Astronom Edwin P. Hubble (1889-1953) konnte im Jahre 1923 an dieser Galaxie, die auch M31 genannt wird, den Nachweis erbringen, dass sie kein Mitglied unserer Milchstraße ist, sondern ein weit außerhalb liegendes Objekt. Allerdings war Hubbles berechnete Entfernungsangabe von ca. 900.000 Lichtjahren fehlerhaft. Der deutsche Astronom Walter Baade (1893-1960) fand im Jahre 1952 heraus, dass die bis dahin geltenden Entfernungsangaben zu extragalaktischen Objekten mindestens verdoppelt werden müssten.

Am 19. April tritt die Sonne in das Sternbild Widder, und am 20. April verzeichnen die Horoskopleser den Sonnenwechsel in das Tierkreiszeichen Stier. Am 5. April haben wir Neumond, am 12. April zunehmenden Halbmond, am 19. April Vollmond und am 26. April abnehmenden Halbmond. Der flinke Merkur erreicht zwar mit 27 Grad einen großen westlichen Abstand von der Sonne, befindet sich aber 13 Grad unterhalb des Horizonts und ist daher unsichtbar. Unseren Nachbarplaneten Venus kann man bestenfalls noch bis Monatsmitte am tiefen Osthorizont in der Morgendämmerung ausmachen. Der rote Mars ist am tiefen abendlichen Westhimmel bis Mitternacht zu sehen. Den Gasriesen Jupiter beobachtet man in der zweiten Nachthälfte, seine Aufgänge verlagern sich im Monatslauf von 2:15 Uhr auf 0:15 Uhr. Am 23. April gegen 4:30 Uhr treffen Jupiter und der Mond in zwei Grad Abstand aufeinander. Den Ringplaneten Saturn findet man ebenfalls in der zweiten Nachthälfte am tiefen Südosthimmel, um den 25. April begegnet er dem Mond.

Das Wintersternbild Orion verlässt im Westen den Nachthimmel, ihm folgt bis Monatsende das Sternbild Zwillinge. Dagegen dominiert am hohen Südhimmel das relativ große Sternbild Löwe, und senkrecht über dem Beobachter sieht man im Zenit im markanten Sternbild Großer Bär seine sieben hellen Hauptsterne, die wir den Großen Wagen nennen. Am tiefen Nordhimmel ist das Himmels-W, das Sternbild Kassiopeia zu sehen.

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Der Sternenhimmel im März 2019

Die Planeten des Sonnensystems teilen sich in zwei Gruppen ein: die vier inneren Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde, Mars, und die vier äußeren Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun. Warum es diese Trennung gibt, ist bis heute nicht eindeutig verstanden. Die am 5. Mai 2018 gestartete Marssonde InSight soll dazu Erkenntnisse liefern. Sie landete am 26. November 2018 erfolgreich auf dem Mars. Ziel der Mission ist die Erforschung der Entwicklungsprozesse, welche die inneren Gesteinsplaneten formten. Der Mars eignet sich besonders gut dafür, weil sich auf seiner Oberfläche genügend Spuren dieser Prozesse finden lassen. Das mitgeführte Seismometer soll über eventuell registrierte Marsbeben Rückschlüsse auf die innere Struktur des roten Planeten geben, aus denen wiederum Rückschlüsse für die anderen drei Gesteinsplaneten gewonnen werden können. Ein sog. „Maulwurf“ soll einen Bohrer bis etwa fünf Meter tief in den Marsboden treiben und dabei Wärmemessungen vornehmen. Die hierbei gemessenen Temperaturunterschiede zur Marsoberfläche lassen ebenfalls Rückschlüsse auf die Entstehung der Gesteinsplaneten zu.

Am 12. März geht die Sonne in das Sternbild Fische und am 20. März um 22:58 Uhr in das Tierkreiszeichen Widder. Dies ist zugleich der astronomische Frühlingsbeginn, von nun an werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Am 6. März haben wir Neumond, am 14. März zunehmenden Halbmond, am 21. März Vollmond und am 28. März abnehmenden Halbmond. Am 31. März beginnt die Sommerzeit, die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt. Der flinke Merkur beendet seine Abendsichtbarkeit, er ist den ganzen Monat über nicht zu sehen. Die helle Venus als Morgenstern nähert sich im Südosten immer tiefer dem Horizont, am Monatsende verblasst sie in der Morgendämmerung. Der rote Mars bleibt Abendhimmelplanet. Man findet ihn den ganzen Monat über am tiefen Westhimmel. Der Gasriese Jupiter ist ein Objekt der zweiten Nachthälfte. Seine Aufgänge am Monatsanfang im Südosten gegen 3:50 Uhr verfrühen sich bis 1:20 Uhr am Monatsende. Am 27. März zieht der abnehmende Mond mit einem Grad Abstand nördlich von Jupiter vorbei. Den Ringplaneten Saturn kann man ebenfalls in den frühen Morgenstunden am Südosthimmel erspähen; am 29. März passiert ihn der Mond mit einer Vollmondbreite Abstand.

Das Frühlingssternbild Löwe steht nun hoch am Südhimmel. Die Zwillinge sind westwärts gewandert, und der Himmelsjäger Orion steht am Nordwesthimmel. Links unterhalb des Orion funkelt Sirius, der hellste Fixstern des gesamten Himmels. Der Große Wagen steht fast im Zenit, während das Himmels-W, die Kassiopeia, am Nordwesthimmel zu sehen ist.

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Der Sternenhimmel im Februar 2019

Alle Informationen und daraus folgernde Erkenntnisse über die Physik der Sterne stützen sich auf die Strahlung der elektromagnetischen Wellen. Das sind u.a. Mikrowellen, Lichtwellen (die einzigen Wellen, die wir sehen können), sowie Röntgenstrahlen und Gammastrahlen. Von der gesamten im Universum vorhandenen Materie ist gerade mal ein Prozent strahlende Materie, der Rest verrät sich nur durch seine gravitative Wirkung. Am 14. September 2015 wurden erstmals die von Albert Einstein 1916 in der Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagten Gravitationswellen entdeckt. Sie entstehen, wenn zwei massereiche Objekte, wie z.B. Neutronensterne oder Schwarze Löcher, miteinander zu einem neuen größeren Objekt verschmelzen. Dabei wird Materie in reine Energie umgewandelt (E = mc²), die das umgebende Raumzeitgefüge in wellenförmige Schwingungen versetzt, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten und dabei auch die Erde erreichen. Mit diesem neuen Fenster in das Universum erhoffen sich die Astrophysiker Erkenntnisse über die Dunkle Materie zu bekommen. Von ihr wissen wir bis heute nur, dass es sie gibt, aber ihre physikalische Natur liegt noch völlig im Dunklen.

Am 16. Februar tritt die Sonne in das Sternbild Wassermann und für die Horoskopleser am 19. Februar in das Tierkreiszeichen Fische. Am 4. Februar haben wir Neumond, am 12. Februar zunehmenden Halbmond, am 19. Februar Vollmond und am 26. Februar abnehmenden Halbmond. Der flinke Merkur ist vom 22. bis 27. Februar am tiefen abendlichen Westhimmel etwa zwischen 18:45 Uhr und 19:15 Uhr zu sehen. Die helle Venus bleibt vorerst strahlender Morgenstern am Osthimmel, am 18. Februar zieht sie mit einem Grad Abstand nördlich am Ringplaneten Saturn vorbei. Der rote Mars ist am hohen westlichen Abendhimmel nicht zu übersehen, er geht gegen 23:30 Uhr unter. Am 27. Februar gegen 6:30 Uhr bilden von Südost über Süd nach Südwest am tiefen Horizont Venus, Saturn, Jupiter und der Mond eine hübsche Kette. Dabei stehen Jupiter und der Mond dicht beieinander. Der Gasriese Jupiter baut seine Morgensichtbarkeit aus, am Monatsende geht er bereits gegen 4:00 Uhr auf. Am 2. Februar wird der Ringplanet Saturn von 6:40 Uhr bis 7:35 Uhr vom Mond bedeckt. Mit einer geeigneten Optik kann man das Wiedererscheinen des Ringplaneten am nördlichen Mondrand beobachten.

Das Frühlingssternbild Löwe rückt in den Südosthimmel vor. Am hohen Südhimmel sehen wir die Zwillinge, und am Südwesthimmel glänzt immer noch das Wintersternbild Orion, etwas rechts darüber der Stier. Am Nordosthimmel steht der Große Wagen, ihm gegenüber über den Himmelsnordpol hinweg sieht man am Nordwesthimmel das Himmels-W, die Kassiopeia.

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Der Sternenhimmel im Januar 2019

Am 8. September 2016 startete die NASA von Cape Canaveral mit einer Atlas-V-Rakete die Raumsonde OSIRIS-REx. Ziel war der 1999 entdeckte, nur knapp 500 m durchmessende  Asteroid „1999 RQ36“. Nach einem Wettbewerb, an dem sich 8000 Schüler aus 25 Ländern beteiligten, erhielt er den von dem neunjährigen Michael Puzio vorgeschlagenen Namen „Bennu“, einem göttlichen Vogel aus der altägyptischen Mythologie. Seine offizielle Katalogbezeichnung lautet nun (101955) Bennu. Am 3. Dezember 2018 erreichte OSIRIS-REx den Asteroiden. Zunächst sammelt die Raumsonde mit ihren fünf Fernerkundungsgeräten Daten von der Oberfläche, um u.a. auch eine geeignete Stelle für eine  Bodenprobenentnahme zu finden. Für diesen im Juli 2019 stattfindenden Versuch wird mit einem 2,8 Meter langen Roboterarm ein Probensammler auf die Oberfläche gedrückt und anschließend mit komprimierten Stickstoffgas aufgewirbeltes Oberflächenmaterial in einen kleinen Behälter gepreßt. Die NASA hofft auf mindestens 60 Gramm Oberflächenmaterial. Im März 2021 verläßt OSIRIS-REx den Asteroiden wieder in Richtung Erde. Am 24. September 2023 wird bei einem Vorbeiflug an der Erde die Probenkapsel abgeworfen. Sie soll im Bundesstaat Utah auf der Erde landen.

Am 20. Januar tritt die Sonne in das Sternbild Steinbock und zugleich in das Tierkreiszeichen Wassermann. Am 6. Januar haben wir Neumond, am 14. Januar zunehmenden Halbmond, am 21. Januar Vollmond und am 27. Januar abnehmenden Halbmond. Am 21. Januar können Frühaufsteher eine totale Mondfinsternis sehen. Der Vollmond tritt um 4:34 Uhr in den Kernschatten der Erde, um 6:12 Uhr erreicht die Finsternis ihre Mitte, und um 7:51 Uhr wird der Vollmond den Erdschatten wieder verlassen. Der flinke Merkur steht am Tageshimmel in Sonnennähe und ist daher nicht zu sehen. Venus bleibt den ganzen Monat über am tiefen Südosthimmel strahlender Morgenstern. Am 22. Januar trifft sie in nur zwei Grad Abstand auf den Gasriesen Jupiter, und am 31. Januar gesellt sich noch die schmale abnehmende Mondsichel hinzu. Mars ist ein Objekt der ersten Nachthälfte, er geht gegen 23:40 Uhr im Westen unter. Der Gasriese Jupiter ist den ganzen Monat über am Südosthorizont in Venusnähe zu sehen. Der Ringplanet Saturn steht wie Merkur in Sonnennähe und ist daher nicht zu sehen.

Am Fixsternhimmel gibt es viel zu sehen. Hoch am Südhimmel dominiert das Sternbild des  Orion. Nordöstlich über dem Himmelsjäger sehen wir die Zwillinge mit den Hauptsternen Kastor und Pollux. Unterhalb der Zwillinge steht der hellste Stern des gesamten Himmels, der Sirius im Sternbild Großer Hund. In Richtung Zenith glüht das rote Auge des Stier, der Aldebaran. Am Osthimmel kündigt sich mit dem Löwen schon das erste Frühlingssternbild an.

Lutz Zimmermann, RVST e.V.

 

 

 

 

 

 

 



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